"Nudl'aug"

Wer einen Computer bedienen will, ist dabei vor allem auf die Verwendung einer Tastatur angewiesen. In Zukunft soll der Nutzer aber auch mit seinem PC reden können - im Idealfall mit der gewohnten Sprachfärbung beziehungsweise im jeweiligen Dialekt.

Sprachsoftware gibt es derzeit meist nur in den Hochformen der jeweiligen Sprache, nur selten kommen lokale Dialekte auf den Markt. Ein Forschungsprojekt hat sich des Wienerischen angenommen und dem Computer Wiener Dialekt, inklusive Ausdrücken wie "Nudlaug" oder "G‘scherda", aber auch Schönbrunner Deutsch, die gehobene Wiener Umgangssprache, beigebracht.

Zwei Jahre Entwicklungsarbeit

Sieben Forscher haben bei dem interdisziplinären Projekt unter Leitung des Forschungszentrums Telekommunikation Wien (ftw) zwei Jahre lang daran gearbeitet, Wiener Soziolekte mittels Software generieren zu können.

Dazu wurden die Stimmen von Hanno Pöschl, Helma Gautier, Stephan Pokorny und Julia Österreicher in den Versionen Wiener Dialekt, Wiener Umgangssprache oder Schönbrunner Deutsch, als österreichisches Deutsch und Wiener Jugendsprache aufgenommen und verarbeitet.

Die natürliche Sprachsynthese

Dabei kamen zwei Methoden zum Einsatz: Für die natürliche Sprachsynthese werden die aufgenommenen Texte, Sätze und Wörter in einzelne Sequenzen zerschnitten und wieder zusammengesetzt. Der Vorteil dieser Methode ist laut Projektleiter Michael Pucher vom ftw, dass die Sprachausgabe relativ natürlich klingt, der Nachteil, dass dafür viele Aufnahmen gemacht werden müssen.

Die adaptive Sprachsynthese

Bei der adaptiven Sprachsynthese wird die Sprache vorher analysiert und nach ihren Merkmalen abgetastet. Auf Basis dieser Merkmale wird ein Modell trainiert, das dann bei der Synthese zum Einsatz kommt.

Obwohl diese Methode deutlich unnatürlicher klingt als die natürliche Sprachsynthese, bietet sie laut Pucher den Vorteil, dass sie besser technisch implementierbar ist und zudem eine stufenlose Verschiebung des Gesagten vom Schönbrunner Deutsch in den Wiener Dialekt ermöglicht. Beiden Versionen sind ihre künstliche Erzeugung allerdings noch deutlich anzumerken.

Noch gilt es ein paar Probleme zu lösen

Zwar können die Forscher bereits jetzt mit den gesammelten Aufgaben alle möglichen Inhalte generieren, es fehlen ihn aber noch notwendige Ressourcen wie Lexika oder Grammatik: "Wir wissen noch nicht genau, wie wir das von der Orthografie auf das Phonetische richtig umsetzen sollen", so Pucher.

Gerade für Dialekte gebe es nicht genügend Vorarbeiten, da diese sich meist nicht ökonomisch rechnen würden. Auch hier gebe es, neben der technischen Komponente, noch genügend Forschungsarbeit.

Wiener Dialekt derzeit nur am Telefon

Vorerst wird man den synthetisierten Wiener Dialekt nur im Rahmen eines interaktiven Restaurantführers für den ersten Wiener Bezirk nur unter der Wiener Rufnummer 890 40 55 70 51 am Telefon hören können. Das "klassische" Nudlaug, bekannt aus der TV-Serie "Ein echter Wiener geht nicht unter", gibt es nur dort zu hören.

Demnächst soll allerdings eine Software auf den Markt kommen, die Texte im Computer in österreichischem Deutsch vorlesen soll. Erste Eindrücke von beiden Versionen sowie weitere Beispiele gibt es auf der Website des Forschungszentrums Telekommunikation Wien.

Hör-Tipp
Digital.Leben, Montag bis Donnerstag, 16:55 Uhr

Link
Forschungszentrum Telekommunikation Wien

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