Akustik als Thema der Politik

Hören ist politisch

Seit einigen Monaten wird in Linz nicht mehr länger weg-, sondern ganz genau hingehört. Das Linz-09-Projekt "Hörstadt" arbeitet auf mehreren Ebenen daran, Akustik zu einem politischen Thema zu machen. Am Sonntag eröffnet im Rahmen von Hörstadt das Akustikon.

Seit einigen Monaten versucht ein Team rund um Peter Androsch, den Musikkurator von Linz 09, Akustik zu einem politischen Thema zu machen. Dabei sei es wichtig, aus der defensiven, reaktiven Position herauszukommen, die im Umgang mit Phänomenen des akustischen Raumes, insbesondere im Umgang mit Lärm herrscht, so Androsch: "Stattdessen müssen wir in eine aktive, gestaltende Rolle kommen. Wir müssen erkennen, dass Akustik ein zentraler Lebensbereich des Menschen ist, den wir genauso gewissenhaft vorausplanen müssen, wie etwa die Reinhaltung der Luft."

Drei Stützpfeiler

Hörstadt basiert auf drei zentralen Projekten, der Kampagne "Beschallungsfrei" gegen Zwangsbeschallung, die bereits vergangenen Oktober gestartet wurde. Weiters wurde eine Leitlinie für eine Stadtgestaltung im akustischen Sinne ausgearbeitet, die Linzer Charta, die im Jänner dieses Jahres auch einstimmig im Gemeinderat beschlossen wurde. Und das dritte zentrale Projekt von Hörstadt ist das Akustikon, Erlebniswelt und Europäische Forschungs- und Vermittlungsstelle zur nachhaltigen Entwicklung des akustischen Raums, das am kommenden Sonntag eröffnet wird.

Peter Androsch: "Es gibt unglaublich viel Wissen über Akustik, etwa im Bereich der Arbeitsmedizin, der Architektur, der Stadtplanung und der Psychologie, um hier jetzt nur ein paar wenige Beispiele zu nennen. Nun ist es wichtig, diese vielen verschiedenen Bereiche miteinander zu vernetzen, das Know How für alle zugänglich zu machen."

World Forum for Acoustic Ecology

Eines der bereits bestehenden Netzwerke, das hier Pionierarbeit geleistet hat, ist das World Forum for Acoustic Ecology (WFAE), das Weltforum für akustische Ökologie, ein internationaler Dachverband, in dem sich Komponistinnen und Komponisten genauso wiederfinden, wie auch Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler, Aktivistinnen und Aktivisten. Gegründet wurde es 1993 in Kanada, als eine Folgewirkung der Klanguntersuchungen des Komponisten und Pionier der Soundscape Studies Murray Schafer.

Auch das Europäische Forum Klanglandschaft (FKL) ist Mitglied dieses Zusammenschlusses. Die Komponistin und Musikerin Gabriele Proy ist derzeit dessen Präsidentin. Primäres Ziel des WFAE und des FKL ist es, erklärt sie, auf breiter Basis ein Wissen darüber zu vermitteln, wie akustische Umwelt gestaltet werden kann.

Lediglich ein Teil des Ganzen

Der Begriff Ökologie wurde damals ganz bewusst gewählt, ergänzt Ellen Waterman von der University of Guelph, um zu verdeutlichen, dass nun - auch politisch - gehandelt werden müsse. Es sollte ein grundlegender Paradigmenwechsel eingeleitet warden.

Ellen Waterman: "Nicht einige wenige Menschen, oder die Menschen im Allgemeinen sollten darüber bestimmen, wie die Dinge zu sein haben. Vielmehr wird die Vorstellung verfolgt, dass der Mensch lediglich ein Teil des Ganzen ist."

Am Anfang einer neuen Dimension

In dem Moment, wo wir es gewöhnt sind, aufmerksam hinzuhören, meint mit einem Verweis auf die Komponistin und langjährige Soundscape Forscherin Hildegard Westerkamp der Klangkünstler Sam Auinger, der sich in seiner Arbeit viel mit akustischen Stadträumen beschäftigt, wird sich auch das Bedürfnis nach einer wohlgestalteten akustischen Umwelt einstellen. Dabei dürfe nun aber nicht darauf vergessen werden, so Auinger weiters, dass wir erst am Anfang des von Ellen Waterman vorhin angesprochenen Paradigmenwechsels stehen.

Sam Auinger: "Ich hab den Architekten sehr, sehr lange vorgeworfen, dass sie sich um die akustische Ökologie eben überhaupt nicht kümmern würden. Aber auch der Bauer hat sich viele Jahre lang nicht um die Ökologie gekümmert. Denn er war der Meinung, dass er sich ja ohnehin schon darum kümmern würde, dass die Pflanzen wachsen und dass auch genau das sein Job sei. Erst jetzt, wo die Sicht auf die Welt durch das Internet global ist und wo wir auch ein Recht auf politische Mitbestimmung haben, bekommen wir eine Idee von der Dimension der Dinge. Erst jetzt fangen die verschiedenen Spuren an, sich langsam zusammenzufinden."

Hör-Tipps
Radiokolleg, Montag, 22. Juni bis Donnerstag, 25. Juni 2009, 9:45 Uhr

Zeit-Ton, Donnerstag, 25. Juni 2009, 23:03 Uhr

Zeit-Ton, Donnerstag, 2. Juli 2009, 23:03 Uhr

Zeit-Ton, Donnerstag, 9. Juli 2009, 23:03 Uhr

Zeit-Ton, Donnerstag, 16. Juli 2009, 23:03 Uhr

Links
Hörstadt
Forum Klanglandschaft
Sam Auinger