Die Arbeit von O+A

Seit schon mehr als 20 Jahren arbeiten Sam Auinger und Bruce Odland an ihrer „Hearing Perspektive“, an der Hörperspektive, einer Kulturkritik, die auf einem ganz genauen Hinhören aufbaut, die den klingenden Kosmos zum Ausgangspunkt nimmt.

Sam Auinger und Bruce Odland erforschen seit nun bereits 23 Jahren das uns alle umspannende Netz aus Erinnerung, Wahrnehmung, Schwingung, Körperempfindung, kulturellem Kontext und architektonischer Akustik, auf der Suche nach den inneren Stimmen, den Klängen die es wert sind, dekodiert, verstanden und wiederholt zu werden.

Diese Klänge werden gesammelt und katalogisiert, um sie schließlich als Vokabular nutzen zu können, als ein "Alphabeth of Sounds", wie Auinger und Odland ihren immer größer werdenden Klangfundus bezeichnen.

Hörperspektive

Die beiden Künstler feilen unablässig an ihrem Konzept der "Hearing Perspective", der Hörperspektive, einer Kulturkritik, die auf einem ganz genauen Hinhören aufbaut, die den klingenden Kosmos als Ausgangspunkt nimmt, um in weiterer Folge neue Wahrnehmungs- und Erkenntnisfelder zu erschließen.

Sam Auinger bezeichnet das Hören im Sinne der "Hearing Perspective" auch als das "auftragslose Hören". Eine "Hearing Perspektive" würden diejenigen ausbilden, die sich für das Sein Zeit nehmen, "es ist tatsächlich so simpel".

Emotionale Bindung aufbauen

Die auf einen einströmenden Klänge bewusst als Informationsebene wahrzunehmen, sei nicht zuletzt deswegen so wesentlich, erklärt Sam Auinger, weil im Hörsinn auch unser Raumsinn wurzelt.

Sam Auinger: "In dem Moment, wo ich meine Umgebung auch auditiv stark wahrnehme, baue ich zu ihr eine emotionale Bindung auf. Und es ist notwendig zu brisanten gesellschaftlichen Fragestellungen eine emotionale Bindung aufzubauen. Die rein intellektuelle Herangehensweise reicht nicht, denn sie schützt uns nicht davor dann doch Schwachsinn zu tun. Wenn mich eine Situation aber gefühlsmäßig betrifft, dann werde ich wahrscheinlich umsichtiger handeln. Eine Hörperspektive kann hier einen neuen Zugang eröffnen."

Veränderte Klanglandschaft

Sam Auinger ist in Oberösterreich, unweit von Linz, in der Nähe des Augustiner Chorherrenstiftes St. Florian aufgewachsen. Damals in seiner Kindheit, erinnert sich der 1956 Geborene, hat alles, was geklungen hat, in irgendeiner Art und Weise Sinn gemacht. Auf die Frage, wie sich die Klanglandschaft, aus seiner Hörperspektive heraus empfunden, verändert hat, verweist Sam Auinger auf die Varianz in der Dynamik des damals Gehörten.

Sam Auinger: "Wenn nur alle zehn Minuten ein Auto kommt, dann kann ich hören, wie es langsam auftaucht, und wie es wieder verklingt. Heute geht das in dem Noise-Floor, den wir mit hunderttausend Sachen generiert haben, unter."

Zwischen Stadtwerkstatt und Ars Electronica

Rund um die Zeit als Sam Auinger dann maturierte, wurde Österreich von der Punkwelle erfasst. Plötzlich konnte man Musik machen, ohne es vorhin gelernt zu haben, und das verstand Auinger schnell auszukosten. Zuerst spielte er Bassgitarre, ein wenig später dann Gitarre und auch Saxophon und schließlich war er Frontman, schrieb, sang und produzierte Songs. Aufgetreten seien sie zum einen im Linzer Landgraf und zum anderen in der Linzer Stadtwerkstatt.

Ebenfalls einen ganz wichtigen Einfluss hatte auf Sam Auinger das etwa zur selben Zeit gegründete und in weiterer Folge jährlich wiederkehrende Ars Electronica Festival ausgeübt, dank dem man das Wachsen der digitalen Welt und das Entstehen der Medienkunst von Anfang an unmittelbar miterleben konnte.

Langjährige Künstlerpartnerschaft A+O

Die Künstlerinnen und Künstler, die zur Ars Electronica eingeladen wurden, sollten nicht lediglich Bestehendes präsentieren, sondern vor Ort Neues produzieren. Und immer wieder wurde seitens der Ars Electronica damals bereits versucht, ausländische mit einheimischen Künstlerinnen und Künstlern zusammenzuspannen, um - im Sinne einer möglichst lange wirksamen Nachhaltigkeit - einen kreativen Austausch in Gang zu setzen. So wurde 1987 Bruce Odland dann auch Sam Auinger zur Seite gestellt. Zu seiner großen Überraschung hätte ihn Odland gleich wie einen künstlerischen Partner und nicht etwa wie einen Assistenten behandelt, so Auinger. Schließlich entstand die gemeinsame Arbeit Riverworks, das erste Projekt einer nun bereits 23 Jahre anhaltenden, äußerst fruchtbaren transatlantischen Arbeitsbeziehung, die 1989 den Namen O+A erhielt.

Traffic Mantra

1992 realisierten Sam Auinger und Bruce Odland etwa die Klanginstallation "Traffic Mantra". Im Forum Trajanum in Rom fanden sie einige Amphoren, die an überdimensionale Helmholtz-Ressonatoren erinnerten. Beim Hineinhorchen fiel Auinger und Odland unmittelbar auf, dass der Verkehrslärm nun plötzlich interessant gestimmt klang. Sie platzierten in einigen ausgewählten Amphoren Mikrophone und spielten das Aufgenommene in Echtzeit in das Forum Trajanum zurück.

Straßenlärm als Musik

Den Namen "Traffic Mantra" erhielt Sam Auingers und Bruce Odlands Klanginstallation im Forum Trajanum deswegen, weil sie tatsächlich die dort gerade arbeitenden, und in der Regel augen- und ohrenscheinlich enervierten Straßenarbeiter beruhigte. Damals hätten sie es ja selber gar nicht glauben können. Mittlerweile wüssten sie aber, dass der Körper bei harschen Klängen auf Alarmstufe schaltet, erklärt Auinger. Durch das Einführen des Ordnungsprinzipes Obertonreihe, durch das musikalisieren des Straßenlärms, konnten Sam Auinger und Bruce Odland die stressige Klangsituation im Forum Trajanum ein Stück weit harmonisieren.

Hör-Tipp
Zeit-Ton, Donnerstag, 9. Juli 2009, 23:05 Uhr

CD-Tipps
O+A, "Requiem for fossil fuels", Galler Musikverlag

O+A, "Resonance", CD O+A 002

Sam Auinger & Friends, "A Hearing Perspective", Katalog, CD und DVD, Folio Verlag

Links
Sam Auinger
Bruce Odland
O+A