Auto im Kulturprogramm

Stillstand

Verspätete Allerseelengedanken anlässlich langen Wartens auf die Reparatur der kleinen Ginetta. Aus dem Ö1 Autotest wird ein Geduldstest. Immerhin - neben Texthinweisen in der Autorevue kam der immobile Bubentraum sogar ins Kulturprogramm des Fernsehens.

Ewig schon bin ich nicht bei dieser schönen Station der Vorortelinie ausgestiegen. Ich bin am Weg Ginetta aus der Werkstätte abzuholen. Gestern erreichte mich der Anruf "Geht toll, alles in Ordnung, kleine Reparatur, neue Zündkabel und Kerzen."

Raus also bei Otto Wagners Vorortelinie-Station, ein Blick auf den Boden und eine seltsame Konfrontation mit dem Tod: Ein roter Gummibär liegt da an der Autobushaltestelle, hat etwas Flüssigkeit verloren, und seine ganze Existenz wird tragisch zweckentfremdet. Hat ihn ein Kind verloren, ein kindlicher Erwachsener? Nein, ausgespuckt wirkt er nicht.

Mir fällt die Firma "Druckbär" ein, an der ich fast jeden Tag an meinem Weg zum Arbeitsplatz vorbeigefahren bin. Ein sehr sympathischer Firmenname, ein starker Bär als Logo. Ich stellte mir immer einen kräftigen Braunbären vor, wie er in die Arbeit trabt, ein Bär am Weg nach oben, wie ihn William Kotzwinkle in seinem wunderbaren unterhaltenden Buch beschreibt. So ein Bär war das, der diese Firma am Leben hielt. Und nach dem googeln bin ich etwas gescheiter: ich lese:

Liebe KundInnen und FreundInnen von druckbär, nach fünf Jahren Aufenthalt in Wien - Währing macht sich der berüchtigte ursus pressus, unter kundigen Kreisen ‚druckbär’ genannt nun weiter auf die Reise. Herzlichen Dank für Ihre lange Treue!" Und dann ein Name mit dem Zusatz also known as 'druckbär'.

Also der Druckbär ist auf Wanderschaft, keine Ahnung wie es ihm geht... Zurück also zur schönen Vorortelinienstation: Früher, wenn ich auf demselben Weg zur Autowerkstätte kam, war da ein Autoplatz. Mehr oder weniger günstige Gebrauchtwagen gab es zu erstehen, jetzt aber: eine angenehm grüne Wiese, ein Paar hält müde inne, neben den beiden liegt ein riesiger grüner Kürbis in der Wiese, groß wie ein runder Felsen. Jedenfalls eine schwere Aufgabe ihn heimzubringen. Im Kofferraum der Ginetta hätte er keinen Platz. Immerhin: ich könnte den Kürbis am Beifahrersitz links mitnehmen, sogar anschnallen könnte ich ihn, der Druckbär als Autostopper bei seiner Flucht aus Währing wäre unmöglich. Gina würde zusammenbrechen.

Am Ende der Grünfläche ein kreisförmiges Blumenarrangement. Wie ein Kranz. Und ich sehe eine Kupfertafel auf einem kleinen Gedenkstein: zum Gedenken an die Opfer von HIV/AIDS. Am 6. Juni dieses Jahres wurde hier ein Baum gepflanzt, die Gedenkstätte mit Moderation von Jenny Pipal und Musik vom Concentus 21 und den Harmony Men eröffnet.

Ich gehe weiter, die Ampel ist Rot. Gedenken an AIDS-Opfer.

Übrigens die Reparatur der Ginetta war nicht teuer, allerdings sie sprang nur kurz an. Dann spotz spotz. Georg, der von der Probefahrt begeistert war, wird weiter andere Fehler suchen. Hoffentlich ist er vor dem Wintereinbruch erfolgreich...