Auch Ginettas haben Hunger
Auto füttern
Dass Ginetta an den schönen Herbsttagen streikte, wurde bei "In Auspuffhöhe" schon mehrmals behandelt. Nun, rund um den Klimagipfel könnte man ja sagen, es war ihr Beitrag zur Verringerung des CO2-Ausstoßes. Oder nur blamabel für den Fahrer.
8. April 2017, 21:58
Dass Ginetta lange Zeit stand, ist bei "In Auspuffhöhe" schon mehrmals behandelt worden. Nun, rund um den Klimagipfel könnte man ja sagen, es war ihr Beitrag zur Verringerung des CO2-Ausstoßes, aber man soll ja Gegenstände nicht vermenschlichen. Man kann ja auch noch so viel mit dem PC schreien und er wird kein lebendiges Wesen, und wenn man einem Auto noch so gut zuredet, dass es wieder anspringt, wenn man seine mentale Energie bündelt, um dem Zündfunken auf die Sprünge zu helfen, rational betrachtet ist dies alles sinnlos und überflüssig.
Wahr ist allerdings: Autos wollen gefüttert werden.
Rundlauf-Schwierigkeiten
Wie kam es also, das Ginetta vom Fahr- zum Stehzeug wurde? Es gab Rundlauf-Schwierigkeiten, fallweises Absterben und nicht mehr Anspringen. Samt blamablen Szenen für den Fahrer. Mechaniker Georg bestellte Zündkabel und passende Kerzen, fuhr Probe, war begeistert. Vom Fahren, von den Blicken der Passantinnen und Passanten. Ich wurde verständigt, versuchte zu starten, grrrrr, blubb blubb, kurzes Laufen, aus. Dann nur mehr grrrrr, blubb blubb, aus. Ich frustriert, Georg frustriert, Elektroniker angerufen, Auto abgeschleppt.
Das alles ging natürlich nicht so schnell, dazwischen waren immer wieder mehrere Tage Herumstehen, insgesamt Wochen. Die letzten Tage Herbstschönwetter waren auch dabei. Ich habe telefoniert, nachgefragt, wieder angerufen. Der Elektroniker sprach von "Habe keine Daten auf den Bildschirm bekommen", "will nicht herumbasteln wo ich mich nicht auskenne." Hier muss hinzugefügt werden: Ginetta sieht zwar alt - pardon "klassisch" - aus, hat aber doch ein wenig Elektronik an Bord, um Katalysator-tauglich zu sein. Und streikende Elektronik ist ja bekanntermaßen eine Lieblingserklärung von Mechanik-Freaks für unfreiwillig stehende Autos. Weil man ja der Elektronik beim Arbeiten nicht zusehen kann und die Sinnlichkeit fehlt.
Viertelvoll
Ich machte also bei einer höchst geeigneteren Werkstätte Termin aus, traf damit offenbar die Ehre der bisher Beteiligten. G sagte zu E, er möge doch noch einmal die inzwischen leere Batterie aufladen: E tat es, hörte die Benzinpumpe leer drehen, füllte zehn Liter Benzin in den Tank, und Ginetta sprang an und lief. Nach einigen Kilometern Fahrt lief sie wirklich gut, offenbar so ähnlich wie bei Gs Probefahrt. Er war bis zum letzten Tropfen Benzin gefahren, und wusste nicht dass die Tankuhr nie weniger als "viertelvoll" zeigt.
Die Superspezialwerkstätte muss also warten, auch wenn Ginetta am Morgen mitunter spotzt und abstirbt. Vorgestern wollte ein netter Herr mit Gehstock schieben helfen, erzählte von den vielen Autos die er gehabt hat und bemerkte: "Vielleicht ist der Tank leer, das übersieht man oft, wenn sie nicht gehen."
Diesmal war vollgetankt und ich konnte wenige Augenblicke später losfahren.
