Nachhaltigkeit als neues Statussymbol?
AllesWirdGut
Bereits zum achten Mal präsentiert das Architekturfestival Turn On im März einen Überblick der österreichischen Architekturszene. oe1.ORF.at hat die Vortragenden via E-Mail-Interview zu Innovationen und Trendwenden im privaten und öffentlichen Bauwesen befragt.
8. April 2017, 21:58
Die vier Architekten von AllesWirdGut arbeiten seit 1999 an Projekten unterschiedlichsten Maßstabs - von Städtebaustrategien bis zu Innenraumgestaltung. Mit dem bei Turn On präsentierten Infrastrukturbau für Feuerwehr und Bergrettung in Innichen paraphrasiert das Team AllesWirdGut die imposante Bergwelt des Südtiroler Hochpustertales und setzt ein dynamisches architektonisches Objekt direkt neben die Hauptstraße. Auf exemplarische Weise entwickelte das Architektenteam aus den kontextuellen Bedingungen und den funktionellen Erfordernissen heraus ein Objekt, das ein "landmark" für den kleinen Ort Innichen darstellt und sich zugleich zurücknimmt.
Die freie, skulpturale Auffassung von Architektur liegt den Entwürfen des Architektenteams AllesWirdGut generell zugrunde. Der Bau in Innichen versinnbildlicht eine enge Verbindung mit der Erde und der Landschaft und zugleich eine leichte Eleganz.
oe1.ORF.at: Die Weltwirtschaftskrise hat zu einer Neubewertung von Bauvorhaben in Boom-Ländern geführt: Sehen Sie Anzeichen, dass die Gigantomanie (Stichwort Burj Dubai) von einer neuen Bescheidenheit abgelöst wird?
AllesWirdGut: Geld regiert das Bauwesen. Wenn keines da ist, muss Bescheidenheit einkehren. Allerdings entwickelt sich soziale und ökologische Nachhaltigkeit langsam zum Statussymbol, was unsere Tätigkeit und Aufgabengebiete bereichert.
Welche österreichischen architektonischen Innovationen der ersten zehn Jahre des 21. Jahrhunderts haben für Sie das Potenzial, im neuen Jahrzehnt einen internationalen Trend setzen zu können?
Das starke Augenmerk auf die Energieeffizienz von Gebäuden, welche auch von Auftraggebern als Qualitätsmerkmal anerkannt wird.
Dome, Regierungsgebäude, Museen und Sportstadien gelten als Wahrzeichen von Machteliten - welche architektonischen Symbole sind für Sie wichtig?
Keine
Welche städtebaulichen Maßnahmen müssen Ihrer Ansicht nach in Wien bis 2020 getroffen werden, um ein nachhaltiges Wachsen der Stadt zu gewährleisten?
Förderung zentraler Verdichtung, Nutzung innerstädtischer Brachen, Wachsen entlang öffentlichem Nahverkehr und dessen Ausbau, Nutzungsmischung in Erweiterungsgebieten.
Ergeben sich aus der zunehmenden Vermischung privater und beruflicher Nutzung von Wohnräumen neue gestalterische Anforderungen?
Größere Wohnungen.
Welche Chancen und Risiken entstehen aus dem Spannungsfeld "Privatsphäre versus staatliche Überwachung" bei der Planung öffentlicher Räume?
Keine Chancen. Risiko des Datenmissbrauchs.
2009 gab es an zahlreichen tertiären Bildungseinrichtungen Proteste gegen den Bologna-Prozess. Welche Ansprüche stellen Sie an ein zeitgemäßes Architekturstudium?
Förderung selbständigen Arbeitens und Recherchierens, breit gefächerte Allgemeinbildung im Bereich Architektur, Berufserfahrung durch Büro-Praktika mit entsprechenden Rahmenbedingungen.
Sie sind heuer bei Turn On mit dem Projekt "Zivilschutzzentrum Innichen" vertreten: Welche digitalen Kommunikationsinstrumente waren in der Planung und welche in der Umsetzung wichtig?
E-Mail war für die Abwicklung in Planungs- und Umsetzungsphase unumgänglich.
Veranstaltungs-Tipps
8. Architekturfestival Turn on, Samstag, 6. März 2010, 13.00 bis 22.00 Uhr, ORF Radiokulturhaus - KulturCafé und Großer Sendesaal, Eintritt: frei
Mehr dazu in radiokulturhaus.ORF.at
Turn On Partner, Freitag, 5. März 2010, TU Wien, Kuppelsaal im Hauptgebäude, 13:30 Uhr bis 19:00 Uhr, Eintritt frei
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