Hörspiel-Publikumspreis und Kritikerpreis vergeben
Falsche Frau, toter Hund
Bei der Wahl zum "Hörspiel des Jahres 2009" setzte sich Joseph Roths "Geschichte von der 1002. Nacht" in der Bearbeitung von Helmut Peschina durch. Der "Hörspiel-Kritikerpreis" wurde Magda Woitzuck für ihren Hörspielerstling "DogGod" verliehen.
8. April 2017, 21:58
Das Ö1 Publikum bleibt seinen Lieblingen treu. Bereits zum 17. Mal wählten die Hörerinnen und Hörer aus mehr als zwanzig Neuproduktionen des Jahrgangs 2009 ihr "Hörspiel des Jahres". Und bereits zum vierten Mal heißt der Sieger Helmut Peschina - diesmal mit einer Bearbeitung von Joseph Roths "Geschichte von der 1002. Nacht".
"Hörspiel des Jahres" - Die Ergebnisse
In seiner "Geschichte von der 1002. Nacht" erzählt Joseph Roth vom tiefen Fall des Rittmeisters Alois Franz Baron von Taittinger, dem die delikate Aufgabe zukommt, dem auf Staatsbesuch weilenden Schah von Persien für eine Nacht die Dame seiner Wahl zuzuführen. Da der Schah sich ausgerechnet die verheiratete Gräfin W. erwählt hat, greift Taittinger zu einer List. Er erinnert sich an eine gewisse Mizzi Schinagl, eine Lustbarkeit aus vergangenen Tagen, die der Gräfin W. zum Verwechseln ähnlich sieht. Pointenreich und gnadenlos decouvriert Roth in dem 1939, seinem Todesjahr, erschienen Roman die gesellschaftliche Verkommenheit und doppelte Moral der ausklingenden Donaumonarchie.
Helmut Peschina, der neben der "Strudlhofstiege" von Heimito von Doderer und Werken von Elias Canetti oder Hans Lebert bereits mehrere Romane von Joseph Roth für den Hörfunk bearbeitet hat, hat in seiner Bearbeitung gemeinsam mit seinem Regisseur Robert Matejka ein besonderes - und besonders raffiniertes - Konzept gefunden, um der Vielzahl der handelnden Personen "Herr" zu werden. Musikalisch begleitet wird diese Gemeinschaftsproduktion des DEUTSCHLANDRADIO-Kultur und des ORF von Max Nagl. Es spielen Joseph Lorenz, Stefanie Dvorak, Michou Friesz, Dietrich Siegl, Erwin Steinhauer, Cornelius Obonya und Elisabeth Orth.
Dass das Ö1 Publikum aber nicht nur bekannte Stoffe und große Namen zu schätzen weiß, beweisen die nächstgereihten Hörspiele. Platz zwei ging an "GPS", ein eigenwilliges Hörspiel über Orientierung und Orientierungslosigkeit von Ursula Scheidle, knapp gefolgt von der Thomas-Bernhard-Parodie "Bernhard" (Regie: Peter Kaizar) des Wiener Schriftstellers Peter Danzinger. Auf den folgenden Plätzen finden sich unter anderem Stücke von Raoul Schrott, Paul Divjak, Elfriede Jelinek, Florian Grünmandl, Elodie Pascal und Martin K. Menzinger.
Kritikerpreis an Magda Woitzuck
Zum dritten Mal wurde im Rahmen der "Langen Nacht des Hörspiels" der "Kritikerpreis" vergeben. Literatur- und Kulturkritiker der "Salzburger Nachrichten", der "Presse", des Standard" und des "Kurier" vergaben den Preis für das, ihrer Ansicht nach, "künstlerisch anspruchsvollste und ansprechendste" Hörspiel des Jahres 2009. Die Wahl fiel auf "DogGod", das erste Hörspiel der 26-jährigen niederösterreichischen Autorin Magda Woitzuck. Im Zentrum ihres bizarren Märchens stehen seltsame Schwangerschaften und tote Hunde. In dem an Originalschauplätzen aufgenommenen Hörspiel spielen unter der Regie von Peter Kaizar und Philip Scheiner Chris Pichler, Michou Friesz, Sona MacDonald und Hans Piesbergen.
Sarah Seekircher und Elisabeth Semrad gewinnen "Track 5’"- Wettbewerb
In der Langen Nacht des Hörspiels wurde aber nicht nur das "Hörspiel des Jahres" gekürt, das Publikum hatte Gelegenheit, aus den Finalisten des Kurzhörspiel-Wettbewerbs "Track 5'" den Gewinner zu wählen.
Sieger in der Publikumsgunst ist "Igeltrauma" von Sarah Seekircher und Elisabeth Semrad, den zweiten Platz belegte Robert Weber mit "Mein erster Anrufbeantworter". Den dritten Platz erreichten ex aequo Petra Meisel mit "Canned Laugh" und Tino Klissenbauer/Christoph Michalke mit "Der Riss im Morgen". Diese und weitere Beiträge werden am Dienstag, den 2. März 2010, um 21.00 Uhr im Hörspiel-Magazin von Philip Scheiner präsentiert.
Elisabeth Orth ist Schauspielerin des Jahres
Seit 1997 wählt eine Fachjury aus ORF-Hörspielregisseurinnen und -regisseuren gemeinsam mit der Redaktion die Schauspielerin oder den Schauspieler des Jahres. Ausgezeichnet und geehrt wurde diesmal auf eine der ganz Großen ihres Fachs: Kammerschauspielerin Elisabeth Orth. Ihr erstes Hörspiel hat die Tochter von Paula Wessely und Attila Hörbiger bereits 1958 aufgenommen. Es folgten Stücke von Christa Wolf und Hilde Spiel, von Andreas Okopenko und Eberhard Petschinka, von Sophokles, Grillparzer, Nestroy, George Bernard Shaw und Arthur Schnitzler.
In 53 Hörspielen hat Elisabeth Orth - allein für den ORF - in einem halben Jahrhundert mitgewirkt. Das letzte Hörspiel, ein Zweipersonenstück des Schweizer Autors Jürg Amann, wurde letzten Juni gesendet. Elisabeth Orth gibt darin eine alternde Operndiva, die, begleitet von ihrer Zofe mit dem Zug ein letztes Mal nach Wien, den Ort ihrer Triumphe, reist. Ebenfalls 2009 war sie in der "Geschichte von der 1002. Nacht" zu hören. Im selben Jahr las sie auch, gemeinsam mit ihrem Sohn, dem Schauspieler Cornelius Obonya, Reportagen und Feuilletons von Joseph Roth. Elisabeth Orth folgt als "Schauspielerin des Jahres" bisher Ausgezeichneten wie Rudolf Wessely, Martin Schwab, Bibiana Zeller, Peter Simonischek, Peter Matic, Andrea Clausen, Erwin Steinhauer oder zuletzt Chris Pichler.
Mehr dazu in oe1.ORF.at
Track 5'
Die Geschichte von der 1002. Nacht
DogGod
Elisabeth Orth ist Schauspielerin des Jahres
Hör-Tipps
Das Hörspiel des Jahres, Die Hörspiel-Galerie, Samstag, 20. und 27. Februar 2010, 14:00 Uhr
Das Hörspiel des Jahres, Kritikerpreis, Hörspiel-Studio, Dienstag, 23. Februar 2010, 21:00 Uhr
Track 5' - Die besten Kurzhörspiele der Saison, Hörspiel-Studio, Dienstag, 2. März 2010, 21:00 Uhr
