Kapellmeister der alten Schule
In Memoriam Franz Bauer-Theussl
Am 30. April 2010 ist in Salzburg der Dirigent Franz Bauer-Theussl im 82. Lebensjahr verstorben; er zählte zu den Kapellmeistern der alten Schule mit einem immens großen Repertoire von der klassischen Symphonie über die Oper und Operette bis hin zum Musical.
8. April 2017, 21:58
Daneben betätigte er sich auch als Pianist, Kammermusiker und Liedbegleiter.
Karriere als Pianist stand offen
Der am 25. September 1828 im niederösterreichischen Zillingdorf (bei Wiener Neustadt) geborene Franz Bauer-Theussl hatte an der Musikakademie Wien Klavier studiert und war als junger Dirigent einer der letzten Schüler des legendären Clemens Krauss. Ihm hätte zu Beginn seiner Laufbahn auch eine Karriere als Pianist offen gestanden - mehrere internationale Preise hatte Franz Bauer-Theussl bei Klavierwettbewerben gewonnen - dann entschied er sich aber für die Dirigentenlaufbahn, allerdings ohne das Klavierspiel ganz aufzugeben: Als Liedbegleiter und als Kammermusiker war er auch weiterhin aktiv.
Erste Engagements als Kapellmeister führten Franz Bauer-Theussl an das Stadttheater von Baden und an das Landestheater von Salzburg - und während seiner Salzburger Jahre als Opernchef des Hauses assistierte Franz Bauer-Theussl auch immer wieder bei den Salzburger Festspielen, wo er wichtige Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Dirigentengrößen wie Karl Böhm, Bruno Walter, Dimitri Mitropoulos und mit seinem Lehrer Clemens Krauss sammeln konnte.
Stammhaus Volksoper
1957 debütierte er dann an der Volksoper Wien mit einer Vorstellung von Franz Lehárs "Das Land des Lächelns" - und war damit an seinem Stammhaus für mehrere Jahrzehnte angekommen: Über 2.500 Vorstellungen hat er im Wiener Haus am Gürtel dirigiert - und dabei keineswegs nur Operette, sondern auch Musicals und immer wieder Opern.
Gleich die erste von ihm geleitete Premiere an der Volksoper galt Flotows "Martha" (1957) - und zu seinem Opernrepertoire an diesem Haus zählten auch "Die Zauberflöte", "Hoffmanns Erzählungen", "Die Regimentstochter", "Die verkaufte Braut", "Der Postillon von Lonjumeau", "Die lustigen Weiber von Windsor", "Tiefland" und Raritäten wie "Ero, der Schelm" oder "Der Ring des Polykrates".
Generalmusikdirektor in Amsterdam
Von 1960 bis 1964 war Franz Bauer-Theussl Generalmusikdirektor in Amsterdam und leitete in dieser Zeit auch als Chefdirigent die Wiener Beethoven Gesellschaft. Ab 1969 dirigierte er regelmäßig das Wiener Johann Strauß-Orchester und produzierte mit diesem Klangkörper auch eine Vielzahl von Einspielungen im Wiener Funkhaus - dem Wirken des Dirigenten für den Rundfunk (auch am Pult des Radio Symphonieorchesters Wien) verdankt der ORF eine große Zahl hochwertiger Aufnahmen - darunter zahlreiche Raritäten aus dem Genre der "Klassischen Wiener Unterhaltungsmusik".
Repertoirevielfalt hatte zwar immer das künstlerische Wirken von Franz Bauer-Theussl bestimmt, zum einen darf aber doch das große Feld der Wiener Musik um die Strauß-Familie und um Carl Michael Ziehrer als Schwerpunkt seines Wirkens angesehen werden - und zum anderen die Operette.
Mann der ersten Stunde in Mörbisch
An der Volksoper Wien hat Franz Bauer-Theussl unzählige Operettenproduktionen geleitet ebenso wie bei den Festspielen von Bregenz und Bad Ischl, sowie bei Gastspielen an zahlreichen führenden europäischen Theatern und im Fernen Osten. Und natürlich bei den Seefestspielen von Mörbisch: Dort gehörte Franz Bauer-Theussl zu den Mitwirkenden der ersten Stunde. Von 1958 bis 1961 und von 1976 bis 1986 dirigierte er fast alljährlich die Vorstellungen des Festivals am Neusiedlersee - darunter die großen Operetten von Johann Strauß, Franz Lehár, Edmund Eysler, Oscar Straus, Ralph Benatzky und Emmerich Kalman.
Neben Baden, Salzburg und der Volksoper Wien umfassten weitere Stationen der Laufbahn von Franz Bauer-Theussl Gastspiele in Hamburg, Monte Carlo, Paris, Aix-en-Provence, Ghent, Brüssel, London, Tokyo und Osaka. Und einem breiten Publikum war er auch bekannt als musikalischer Mitgestalter der von Heinz Conrads moderierten Radiosendung "Was gibt es Neues?"
Erfolge in Bad Ischl
In das Salzkammergut, wo Franz Bauer-Theussl zuletzt lebte, hatte es den Dirigenten schon vor langer Zeit verschlagen; im dortigen Bad Ischl, bei den sommerlichen Festspielen verstand es der Dirigent noch vor wenigen Jahren, mit seinen Operetteninterpretationen zu begeistern - mit der Kulturmedaille des Landes Oberösterreich wurde er dafür ausgezeichnet.
Schon 1969 war ihm der Professorentitel verliehen worden, zehn Jahre später das große Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, 1984 die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold und 1998 das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Und er gehört zum gar nicht so großen Kreis der Ehrenmitglieder der Volksoper Wien.
Musikalität und trockener Humor
Sein großes Gespür für die Tempowahl und sein musikantischer Sinn für die Gestaltung von Übergängen, Aufbau von Steigerungen und das nuancierte Auskosten von Wiederholungen ist auf vielen Aufnahmen unter der Leitung von Franz Bauer-Theussl dokumentiert: Sie werden die Erinnerung an einen vielseitigen Vollblut-Musiker und bedeutenden österreichischen Dirigenten und Künstler lebendig erhalten - und unvergessen wird auch allen, die das Glück hatten, ihn persönlich zu kennen, sein trockener Humor bleiben, mit dem er gerne Anekdoten und Ereignisse aus seinem an künstlerischen Erfahrungen so reichen und vielfältigen Leben zum besten gab.
