Trento Film Festival

Das älteste Bergfilmfestival der Welt, das Trento Film Festival, findet heuer zum 58. Mal statt. Es ist eine Plattform für Berginteressierte, Cineasten und Alpinisten. Neben Filmen finden Lesungen, Ausstellungen und Konzerte rund um das Thema Berg statt.

Kulturjournal, 06.05.2010

Trient befindet sich in diesen Tagen im Ausnahmezustand. Berge umgeben nicht nur die Stadt, sie sind an allen Ecken anzutreffen. Auf Plakaten, in den Filmsälen, auf dem Buchmarkt. An den Kinokassen stehen die Menschen trotz des schlechten Wetters Schlange. Regenwetter macht Kinolaune. Und so viele Alpinisten, Kletterer und Filmemacher sieht man in den Straßen nur einmal im Jahr, in den zwei Wochen des Bergfilmfestivals.

Der italienische Regisseur Maurizio Zaccaro ist Präsident der internationalen Jury von Trentofilm und freut sich über die vollen Säle. "Es ist kein Festival, das für eine Elite da ist", meint er. "Es ist nicht cinematographischer Elefenbeinturm, für eine Handvoll Intellektueller und Filmkritiker. Es ist kein Festival, das sich selbst feiert. Es ist ein Festival, das auf die Menschen zugeht. Und es sind sehr viele junge Menschen, die sich hier für den Bergfilm im weitesten Sinn begeistern."

Am Nerv der Zeit

In den 1950er Jahren beginnt im Himalaya der Wettlauf um die höchsten Berge der Welt. Annapurna, Mount Everst, Broad Peak. In Trient entsteht ein Festival, das den Nerv der Zeit trifft. Es dokumentiert die Abenteuerlust und die Sehnsucht nach Unbekanntem.

Der künstlerische Leiter Augusto Golin erzählt stolz von der Aufbruchsstimmung in den Gründerjahren des ältesten Bergfilmfestivals der Welt: "Das Kino war damals Abbild der Realität dieser Welt der Berge. Die Gründer des Festivals wollten inmitten der Bergwelt des Trentino Alpinisten und Filmemacher zusammenführen. Das war der Grundgedanke: Man wollte eine Plattform sein, um besser mitzuteilen, was Berge und die Bergsteigerei in dieser Epoche bedeuteten."

Alpinisten werden nicht mehr gefeiert

Doch trotz gutbesuchtem Bergfilmfestival: Die Welt des Alpinismus hat sich verändert. Die Euphorie ist verebbt, die gefeierten Helden gehören der Vergangenheit an. "Ich sage Ihnen: Als Tenzing Norgay, der Sherpa und einer der Erstbesteiger des Mount Everest damals 1953 am Bahnhof von Trient ausstieg, erwartete ihn eine gesamte Stadt mit Fackeln und wehenden Fahnen", erinnert sich Golin. "Der war gefeiert. Heute ist das völlig anders. Vielleicht, wenn ein Star aus Film oder Fernsehen kommt, wird er gefeiert, aber kein Alpinist ist mehr dabei.

Nicht nur die Welt des Alpinismus hat sich verändert, auch die filmischen Möglichkeiten und ihre Ausdrucksformen. Das birgt Risiko und Chance in einem. Viele Bergfilme erklimmenen keinerlei Höhen.

Alan Formánek, Alpinist und Filmwissenschaftler ist diese Jahr zum ersten Mal Jurymitglied. Er stammt aus Slowenien und leitet zwei Bergfilmfestivals in Kanada. Sein Blick auf das Genre ist kritisch: "Richtig gute Filme gab es in den 80er und 90er Jahren. Wirklich gute Filme sind die letzten Jahre kaum zu sehen gewesen. Auch hier beim Trento Festival sind höchstens 50 Prozent der Wettbewerbsfilme einigermaßen. Ich denke, das hat vor allem damit zu tun, dass heute jeder imstande ist zu filmen. Das erlauben eben die technischen Möglichkeiten."

Abenteuer weltweit

Trentofilmfestival hat sein Spektrum bewusst erweitert und orientiert sich lange nicht mehr nur mehr am Berg. Der künstlerische Leiter Golin: "Es ist ein Festival der Berge und der Abenteuer geworden. Natürlich können wir nicht mehr nur Berge und Erstbesteigungen zeigen. Das Neue wir weniger. Ich kann heute auf Google Earth ein Dorf in Afrika anschauen. Berge sind Lebensräume und die sind eben weitläufig. Man muss mit der Zeit mitgehen. So haben wir eben auch viele Umweltthemen aufgenommen. Natürlich müssen wir auch mit dem Geschmack der Zeit und den Neuen gehen. Da darf 3D nicht fehlen. Also zeigen wir den Film 'Oceans' von Jean Jaques Mantello."

Kurt Diemberger, berühmter österreichischer Bergsteiger und einer der vielen Gäste beim Trento Film Festival, glaubt an das Neue und Unerschöpfliche in den Bergen, abseits von 3D und Ozeanen: "Die Suche nach immer neuen Grenzen bleibt in Zukunft bestehen."

Der Bergfilm in seiner Vielfalt ist - das macht das Bergfilmfestival in Trient sehr deutlich - Gratwanderung zwischen reinem Adrenalinkick und künstlerischer Nachhaltigkeit. Das Festival ist Plattform für beides.