Linzer Klangwolke macht Dampf

Es könnte eine Geschichte aus einem Science Fiction Film sein, was der Innviertler Regisseur Hubert Lepka heuer für die Visualisierte Linzer Klangwolke plant. Hauptdarstellerin ist eine Eisenbahn der Zukunft, die es auf 1.800 Stundenkilometer bringt. Mit Überschall wird sie am 4. September in Linz einfahren.

Kulturjournal, 11.06.2010

Das Künstlernetzwerk Lawine Torren unter der Leitung von Hubert Lepka promotet ein Industrieprojekt namens "Baby Jet". Dabei werden Fahrgäste mit minimalem Energieaufwand durch unterirdische Vakuumtunnel regelrecht von einer europäischen Stadt in die nächste geschossen. Das Projekt wurde am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Linz vorgestellt.

Kontinentale U-Bahn

"Baby Jet" ist ein unterirdischer Magnetzug, der es auf 1.800 Stundenkilometer bzw. 1 Mach bringt. Die Strecke Linz-Prag wäre in 14 Minuten machbar, Wien-Paris in weniger als einer Stunde. Europas Metropolen könnten durch eine Art kontinentübergreifender "Metro" verbunden werden. Da die Tunnelröhren vakuumisiert sind, ist der Energiebedarf gering - soweit die Theorie.

"Das ist keine Utopie, sondern realisierbare Technik, die existiert", betonte Regisseur Lepka, der bereits 2005 die Klangwolke realisiert hat. Was allerdings fehle, sei der Wille zur Umsetzung gewagter visionärer Ideen seitens der Politik und der Industrie. Daher wolle sich Lawine Torren der Idee künstlerisch nähern. Ein ähnliches Projekt habe es in der Schweiz bereits gegeben. Es sei aber an den Kosten gescheitert, weil die Röhren doppelt so groß dimensioniert gewesen seien als bei "Baby Jet".

Quantenlabor Donaupark

Lepka will den Donaupark in eine Art "Quantenlabor" verwandeln und verspricht ein "Überschall-Experiment", bei dem auch der Rail-Jet der ÖBB eine Rolle spielen soll. Allzu viele Details wollte er noch nicht verraten - teils, um nicht "über ungelegte Eier zu gackern", teils aber auch, um Industriespionen zuvorzukommen. Für die Musik zeichnet Peter Valentin verantwortlich. Er will die Klangwolke "filmmusikalisch konzipieren", elektronische und elektroakustische Instrumente sollen dominieren. Die Videoumsetzung übernimmt Stefan Aglassinger, der Text stammt von Joey Wimplinger.

Industriepartner der Klangwolke sind unter anderem das Ars Electronica Future Lab, das Linzer Center of Mechatronics sowie Unternehmen der Bahnindustrie bis hin zu den ÖBB. Deren Vorstandsdirektor für Personenverkehr, Werner Kovarik, sieht im "Baby Jet" zwar noch "Zukunftsmusik", betonte allerdings, dass "die Tatsachen von heute die Zukunftsmusik von gestern" seien. "Wir haben ja nicht den Finanzminister dabei, der uns auf den Boden der Realität zurückholt", ist Kovarik erleichtert.

Text: APA, Audio: ORF