Haider-Konten: Überlebensfrage für BZÖ

Die Affäre um angebliche Haider-Konten kann für das BZÖ politisch zur Überlebensfrage werden, sagen Meinungsforscher. Einen nachhaltigen Schaden für die FPÖ sehen sie hingegen eher nicht, weil sich die Freiheitlichen von Haider abgrenzen könnten. Das BZÖ werde hingegen noch immer mit seinem Gründer identifiziert.

Morgenjournal, 05.08.2010

"Dann wird es eng für das BZÖ"

Die angeblichen Geheimkonten von Jörg Haider im Ausland könnten nebst einem gerichtlichen Nachspiel auch nachhaltige politische Auswirkungen haben - und zwar vor allem für das BZÖ, dessen Gründer und Übervater Jörg Haider war, sagt Meinungsforscher David Pfarrhofer vom Market-Institut. Sollten die Vorwürfe nicht mehr wegzudiskutieren sein, was derzeit ja noch versucht werde, "dann wird es sicherlich für das BZÖ eher eng". Deren Position sei ohnehin nicht gefestigt, dazu kämen noch die Landtagswahlkämpfe in Wien und der Steiermark.

Marke "Jörg Haider" wird beschädigt

Die Affäre werde sicherlich zur Überlebensfrage für das BZÖ, meint Pfarrhofer. Jörg Haider sei beim BZÖ immer für die Wahlerfolge verantwortlich gewesen, sogar noch nach seinem Tod bei der letzten Wahl in Kärnten. Wenn die Marke Haider jetzt beschädigt werde, könne das auch das BZÖ beschädigen, sagt Pfarrhofer.

Große Wählerenttäuschung droht

Das sieht auch Günther Ogris vom Sora-Institut so. Für das BZÖ stelle sich immer noch die Frage, wie es ohne Jörg Haider erfolgreich sein kann und da könne diese Affäre durchaus Schaden anrichten und die bisherigen Wähler enttäuschen. Wenn sich die Verdachtsmomente gegen Haider erhärten, könne das für das BZÖ bei den kommenden Landtagswahlen in der Steiermark und in Wien entscheidende Folgen haben, so Ogris: Das könnte dafür ausschlaggebend sein, dass sie den Einzug in die Landtage nicht schaffen. Diese Wahrscheinlichkeit sei ohnehin nicht sehr hoch gewesen.

Kein Problem der Marke "Strache"

Deutlich leichter habe es hingegen die FPÖ. Sie könne sich von Haider - wenn nötig - abgrenzen, sagt David Pfarrhofer. Denn es habe ein Konfliktverhältnis zwischen FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und Haider gegeben: "Das hat nicht nach Blutsbrüderschaft ausgesehen. In dieselbe Richtung geht auch, dass Strache mit der 'Buberl-Partie', die da angegriffen wird, kaum oder keine Kontakte hat." Auch wenn es eine Annäherung in Kärnten gebe, sei das "eher ein Problem der Marke Haider und weniger ein Problem der Marke Strache".

Kärnten ist anders

Probleme für die FPÖ bei den kommenden Landtagswahlen durch die Haider-Affäre sieht Pfarrhofer also nicht. Die könnte es aber für Freiheitlichen Partei-Freunde in Kärnten geben, da sind sich beide Meinungsforscher einig, schließlich sei Haider für die FPK nach wie vor die Leitfigur.