Gerfried Stocker im Gespräch

Raus aus dem Schlamassel

"Krise" ist derzeit in aller Munde, nach der Finanzkrise die Umweltkrise, eine Krise der Politik und Öffentlichkeit - auch in den digitalen Medien. Um aus diesem Schlamassel wieder rauszukommen, dazu kann auch ein Kunstfestival etwas beitragen, so Gerfried Stocker, das unter dem Motto "repair" steht.

Kulturjournal, 02.09.2010

Kunst könne die Leute vielleicht nicht retten, aber sie sensibilisieren und sie gleichzeitig auch dafür begeistern, "den Paradigmenwechsel anzugehen", so Stocker, denn die Art und Weise, wie wir mit unserer Umwelt agieren, wie wir leben, wie wir Energie gewinnen müssten wir verändern. Dazu braucht es unkonventionelle, radikale Denkweisen und die Kunst sei eine "ganz wunderbare Möglichkeit, das etwas radikalere, das unkonventionelle Denken besser in der Gesellschaft zu verankern".

"Spielerischer" Umgang mit Technologie

Auch wenn viele Technologien mit rein militärischen Zielen entwickelt würden, so sei das Spielerische eine wichtige Strategie, die Dinge zu explorieren, dahinterzukommen, was eigentlich möglich sei. "Spielerisch ist deswegen gut, weil es immer ein bisschen respektlos ist", meint Stocker.

Gerade bei Technologien, die aus dem militärischen Zusammenhang kommen, fänden Künstler Möglichkeiten, wie man diese Technologien auch beim Menschen einsetzen kann. So sei das Spielerische eine wichtige Strategie, um den Respekt vor der Technologie zu verlieren, denn "dann werden wir nicht so leicht tyrannisiert durch die Technologie".

Es ist zu spät, ein Pessimist zu sein.

Zum Thema Google viewing sagt Stocker: "Wir müssen lernen, uns zu emanzipieren, damit wir uns nicht von irgendeinem globalen Anbieter, der jetzt auch ein Monopolist in dem Bereich ist, einfach aufs Auge drücken lassen, wie man damit umgehen kann. Wir müssen selbst in die Rolle kommen, Google zu sagen: Moment, wir wollen mit den Dingen anders umgehen."

Trotz vieler bedrohlicher Szenarien übt sich Stocker in Zukunftsoptimismus und zitiert einen Ausspruch des Fotografen und Filmemachers Yann Arthus Bertrand: Es ist zu spät, ein Pessimist zu sein. Es sei eben keine Frage, ob wir zu retten sind - so der Untertitel des Ars-Electronica-Mottos - oder nicht, es sei das einzige, was wir als Menschen tun können, so tocker: "Dafür sind wir da, zu leben, uns weiter zu entwickeln, die Gesellschaft weiterzuentwickeln, aber das in einer Form, in der wir den Planeten, unsere Heimat, nicht ruinieren." Wenn wir uns mit Technologie etc. in diesen Schlamassel hineinbewegt haben, "dann werden wir wohl mit den gleichen Mitteln wieder rauskommen".

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