Musikwirtschaftsdialoge
Wie böse ist Filesharing?
Alle tun es: Filesharing. Es ist unglaublich beliebt, es ist aber auch verboten, man kennt seine Auswirkungen auf die Musikindustrie nicht, es ist fast schon wieder aus der Mode.
8. April 2017, 21:58
In Kürze werden wir es mit ganz anderen Urheberrechtsproblemen zu tun haben, sagt Philipp Ginthör, Sony Universal Entertainment Manager, die weit über den Musikbereich hinausreichen. Es wird in Kürze wesentlich interessantere technologische Möglichkeiten geben, Musik herunterzuladen, sagt Philipp Ginthör und auch Felix Oberholzer-Gee ist gar nicht mehr bei der Frage, welche Auswirkungen das Filesharing hat, sondern schon bei der nächsten: Welche Rolle hat die Musikindustrie außer jener, kleine silberne Scheiben zu verkaufen? Sein Wunsch: sie möge Wegweiser, Orientierungshilfe sein.
Napster trat Lawine los
Filesharing ist ein Tool, um vom Computer einer anderen Person downzuloaden. Das Konzept, erläutert Peter Tschmuck, begann bei Napster. Damals gingen alle Suchanfragen noch über einen zentralen Computer, Server.
Die Welt verändert sich, ihre Benennung erfordert ein neues Vokabular: Würde ein Mensch, der nur zehn Jahre von der Erde verschwunden war, versuchen, wieder mit uns zu kommunizieren, müsste er verstehen, wie er sich addet auf Facebook, wie er sich verlinkt und welches Tool er zum Sharen eines Files braucht.
Wordrap zum Thema
Die Musikwirtschaftsdialoge, eine schon traditionelle Kooperation der Wiener Musikuni mit Ö1, begannen mit einem Wordrap:
Wenn meine Tochter eine Tauschbörse benützt - "würde ich es ihr verbieten", sagt Oberholzer-Gee und Ginthör stimmt zu, ergänzt allerdings, dass er ihr eine CD davon kaufen würde.
Napster habe ich - "ausprobiert", sagt Ginthör, "nur wissenschaftlich untersucht", sagt Oberholzer-Gee.
Wäre ich EU-Kommissar - "würde ich das Urheberrecht in der derzeitigen Form abschaffen", sagt Oberholzer. Gee und auch Ginthor würde es reformieren.
Die Gesetze zum Filesharing gehören - "zum Dümmsten, was in den letzten 15 Jahren erdacht wurde", sagt Oberholzer Gee.
Negativer Effekt nicht nachweisbar
Was sagt die Wissenschaft? Sie weiß es nicht. Peter Tschmuck, Experte und Professor am Institut für Kulturelles Management der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Gastgeber der Musikwirtschaftsdialoge, hat 23 Studien zum Filesharing untersucht. Keine kann bestätigen, dass die Auswirkungen auf den Verkauf von Tonträgern negativ sind, manche beweisen sogar das Gegenteil.
Was ist also als Folge des Filesharing festzustellen? Oberholzer-Gee ist erfreut-erstaunt, dass das Musikangebot in Zeiten der digitalen Tauschbörsen nicht zurückgegangen ist. Trotz Filesharing werde das Angebot immer größer. Jedoch, wenn weniger Tonträger verkauft werden, sinkt das Einkommen der Künstler und Künstlerinnen.
Die Frage, wer am Ende für Musik bezahlt, ist offen, sagt Ginthör. Aber: Es wird bezahlt werden müssen, wenn die Vielfalt und Reichhaltigkeit erhalten werden soll.
Text: Irene Suchy
Service
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