Passion für Renoir

Eine der wichtigsten Sammlungen von Gemälden des französischen Impressionisten Pierre-Auguste Renoir befindet sich in Williamstown im US-Bundesstaat Massachusetts. Das private Clark Institute geht auf die Sammelleidenschaft eines Millionärs zurück, der 1916 begann, Renoirs Arbeiten aufzuspüren und zu erwerben.

Kultur aktuell, 20.10.2010

Die Kunstsammlung des Clark Art Institute gilt als eine der wichtigsten privaten Kollektionen in den USA. Bei der Errichtung des 1955 in Williamstown eröffneten Museums spielte Geld keine Rolle, die Marmor-Bergwerke in Vermont hatten Hochbetrieb.

Die Bestände des Museums, das zurzeit vom japanischen Stararchitekten Tadao Ando erweitert wird, gehen auf die Sammelleidenschaft von Sterling Clark zurück, der 1916 in Paris seinen ersten Renoir erwarb. Sein Vermögen verdankte Clark dem Großvater, einem New Yorker Anwalt, der gemeinsam mit Isaac Singer die nach diesem benannte Nähmaschinenfabrik gegründet hatte.

Sammeln als "Form des Mäzenatentums"

Enkel Sterling konnte sein Vermögen in die Pferdezucht und den Kunstankauf investieren. Er baute in mehr als 30 Jahren eine erstaunliche Sammlung italienischer und flämischer Meister auf, zu der auch zahlreiche impressionistische Gemälde dazukamen. Allen voran eine Renoir-Kollektion, die das Ehepaar Clarke in eine Reihe mit den großen Kunstmäzenen stellt, meint Miguel Zugaza, der Direktor des Prado-Museums:

"Die Sammelleidenschaft des Ehepaars Clark ist eine zeitgenössische Form des Mäzenatentums, die an die spanischen Könige erinnert: Karl I. sammelte Tizian, Philipp II. Hieronymus Bosch, Philipp IV. Velazquez und Rubens. Diesem Austausch zwischen Förderer und Künstler verdankt das Prado-Museum seine herausragendsten Exponate."

Bewunderer der Renaissancekunst

"Passion für Renoir" ist auch der Titel der Ausstellung, die erstmals außerhalb des Clark Institute gezeigt wird. Dass die 31 Gemälde, die drei Jahrzehnte und alle Genres umfassen, im Madrider Prado gelandet sind, ist kein Zufall. Hier hatte Renoir 1892 mehrere Tage mit dem Studium alter Meister verbracht.

Richard Rand ist der Chefkonservator des Clark Art Institute. "Er war ein Künstler, der zurück und in die Zukunft blickte", so Rand. "Er hat so viel aus der Vergangenheit gelernt. Renoir studierte Rubens im Louvre, er kam 1892 hierher in den Prado und hat auf einer Italienreise die Meister der Renaissancemalerei bewundert."

In unmittelbarer Nachbarschaft der bewunderten Meister sind die Gemälde Renoirs, die vom Selbstporträt über Landschaftsbilder bis zum Akt alle Genres umfassen, im Prado gehängt.

Geschätzte "Zwiebeln"

Sammler Stanley Clark, der ein Mann des Luxus war, schätzte in seiner Renoir-Sammlung ein kleinformatiges Stillleben am meisten, weil es die Virtuosität des Impressionisten verdichtet. Nochmals Richard Rand vom Clark Art Institute:

"Gemalt hat Renoir einige bescheidene Zwiebeln und wir können uns vorstellen, wie er sie auf einem Markt einkaufte. Aber das Gemälde wird zur Tour de Force von Pinselstrichen, Farben und Texturen, ein Meisterstück, das nicht durch den Gegenstand, sondern die vollendete Darstellung zum großen Kunstwerk wird."

Service

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Prado - Pasión por Renoir
zeno.org - Renoirs "Zwiebeln"
Arcspace - Tadao Ando, Clark Art Institute