Preview of the past

Die Universität für Angewandte Kunst zeigt in ihrem Ausstellungszentrum im Wiener Heiligenkreuzerhof unter dem Titel "preview of the past" Arbeiten zeitgenössischer iranischer Künstlerinnen und Künstler.

Kulturjournal, 10.11.2010

Von Januar bis Oktober 2010 gab es im Iran laut Amnesty International mindestens 220 Hinrichtungen. Seit Monaten bangt die Weltöffentlichkeit um die 43-järhige Sakineh Mohammadi Aschtiani, die wegen angeblicher Beteiligung am Mord an ihrem Ehemann zum Tod durch den Strang verurteilt ist und wegen angeblichen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung.

Der Druck nimmt offensichtlich zu: seit Monaten gibt es keine Demonstrationen mehr im Iran. Kein Wunder, dass nicht nur Menschenrechtsaktivisten, sondern auch immer mehr Künstler das Land verlassen - sie fürchten, dass ihre Kreativität in dem repressiven Umfeld ersticken könnte.

Will man die zeitgenössische Kunst aus dem Iran verstehen, muss man zwischen den Zeilen lesen können. So erzählt ein in schmutzigem Schwarz bemaltes Atelierfenster der Künstlerin Mehraneh Atashi von Frustration und Pessimismus. Auch wenn sie - im Zuge der Demonstrationen um die Präsidentschaftswahl inhaftiert - inzwischen in Teheran wieder auf freiem Fuß ist. Auch die Fotoarbeiten von Neda Hosseinyar zeigen traurig blickende Menschen, die sie überlebensgroß in die für Teheran typischen riesigen Autobahnschleifen montiert hat.

Die 24-jährige Künstlerin, die in Wien studiert, sagt, sie sei noch jung, aber schon sehr frustriert. So gehe es vielen Künstlern ihres Alters, diese Traurigkeit wolle sie zeigen.

Bedenkt man, dass Künstler die sensibelsten Seismografen einer Gesellschaft sind, wird es wohl immer schwieriger, im Iran zu leben.
Auch wenn diese Künstler die Hoffnung nicht aufgeben wollen, dass sich das iranische Volk mit seinem Lebenswillen dereinst durchsetzen wird. Nur: bald wird das wohl nicht sein.

Service

Die Angewandte - Preview of the past (Pdf.)