Hinrichtungsmedikament aus Österreich?

In Italien fordern mehrere politische Initiativen, dass sich das Land nicht an Hinrichtungen in den USA mitwirken. Der Hintergrund: Das Narkosemittel für die Hinrichtung wird in Italien produziert. Italien soll nun den Export dieses Mittels in die USA verbieten, so die Initiative. Doch auch in Österreich wird das Mittel hergestellt.

Mittagsjournal, 03.12.2010

USA müssen Mittel importieren

Sodium Thiopental ist ein kurz wirksames Schlafmittel, das zur Einleitung einer Narkose verwendet wird. In den USA wird dieses Mittel im Rahmen von Exekutionen verabreicht. Zum Tode verurteilte Häftlinge werden damit narkotisert, bevor sie die endgültig tödliche Spritze erhalten. Weil es Probleme mit der Rohstoffversorgung gibt, kann das Narkosemittel derzeit nicht in den USA hergestellt werden, so der einzige amerikanische Produzent Hospira. Nun versuchen einige amerikanische Staaten, das Mittel aus Europa zu importieren, vornehmlich aus Großbritannien.

Auftragsproduktionen und Weiterverkauf

Produziert wird es in mehreren Staaten Europas - auch in Österreich. Das bestätigt die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES. Das Medikament ist als Narkosemittel zugelassen. Die Herstellerfirma Sandoz betont allerdings, dass sie das Mittel weder in den USA noch in Großbritannien vertreibt. Allerdings führt Sandoz eine Auftragsproduktion von Thiopental für eine Drittfirma in Großbritannien durch, die das Produkt wiederum an eine andere Firma namens Archimedes Pharma weiterverkauft. Diese sei allein für Marketing und kommerzielle Lieferungen verantwortlich.

Gegen Verwendung bei Hinrichtungen

Sandoz jedenfalls könne nicht bestätigen, dass es sich bei dem Produkt in den USA um jenes Thiopental handelt, das von Sandoz hergestellt wird, so eine Stellungnahme der Firma. Darüber hinaus unterstütze Sandoz ausschließlich die für Thiopental vorgesehene Indikation als Anästesiemittel - und man spreche sich klar gegen die Verwendung in Zusammenhang mit der Todesstrafe aus.

Ö: Noch keine Exportbeschränkung

Großbritannien hat mittlerweile Anfang dieser Woche eine Ausfuhrbeschränkung für dieses Narkosemittel in die USA angeordnet. Für den Export von Thiopental benötigen Unternehmen nun eine eigene Lizenz. Dafür müssen sie nachweisen, dass der Stoff für medizinische Anwendungen eingesetzt wird - und nicht für Hinrichtungen. In Österreich gibt es bis jetzt noch keine solche Exportbeschränkung. Allerdings wird der Stoff derzeit nach Angaben der AGES auch nicht in die USA exportiert.