Ausstellung im MAK

Eva Schlegel "dazwischen"

Der Künstlerin Eva Schlegel ist die neue Hauptausstellung im Museum für Angewandte Kunst in Wien gewidmet. 1960 in Hall in Tirol geboren, studierte sie in Wien und war bis 2006 Professorin für Kunst und Fotografie an der Akademie der Bildenden Künste. Nächstes Jahr ist sie Kommissärin des Österreichischen Pavillons auf der Biennale di Venezia, einer der weltweit bedeutendsten Großveranstaltungen für Gegenwartskunst.

Mittagsjournal, 07.12.2010

Bekannt ist Eva Schlegel für ihre Bilder, die verschwommene Figuren oder Schriftzüge zeigen und sich mit den Unterschieden von visueller Darstellung und Wahrnehmung beschäftigen. Für ihre Einzelausstellung mit dem Titel "in between" im MAK, die am 7. Dezember 2010 eröffnet wird, hat sie ihr künstlerisches Spektrum erweitert.

Blick zurück und nach vorne

Arrivierten Künstlerinnen und Künstlern im Alter um die 50 widmen Museen Ausstellungen, die mid-career-survey genannt werden. Diese Ausstellungen zur Karriere-Mitte sind würdigende Retrospektiven und Überprüfung der Zukunftstauglichkeit zugleich. Die Künstlerin Eva Schlegel tritt die Flucht nach vorne an und präsentiert im Museum für Angewandte Kunst vor allem Neues: "Mir war wichtig, neue Sachen zu machen, die mir auch neue Wege aufzeigen."

Im freien Fall

Im Hauptraum hat Schlegel drei Rotoren aufgestellt, Riesen-Ventilatoren mit vier Metern Durchmesser, auf die von oben bewegte Bilder projiziert werden. Die Videos zeigen in den Himmel aufsteigende Luftballons, fliegende Vögel, nach Newton fallende Äpfel, sowie Personen, die sich - wie beim Fallschirmspringen, allerdings ohne Ausrüstung - im freien Fall befinden. Fliegen und Fallen sind für Schlegel Synonyme für Risiko und Scheitern: "In dem Sinne thematisiere ich auch den Menschheitstraum der Überwindung der Schwerkraft, der auf Dädalus und Ikarus zurückgeht. Der eine stieg auf, der andere fiel tief."

Erfinder und Extremsportler

Quer durch die Kultur- und Technikgeschichte hat Eva Schlegel Bezugspunkte zu ihrem neuen Thema des Fliegens, des Schwebens und des Fallens gefunden: von den Flugversuchen des Leonardo da Vinci, über Yves Kleins "Sprung ins Leere", bis zur Simulation von Schwerelosigkeit bei Parabolflügen und dem Vorhaben des Extremsportlers Felix Baumgartner, der demnächst im längsten freien Fall die Schallmauer durchbrechen will.

Über den Köpfen der Besucher des MAK schweben rund 800 weiße Wetterballons – eine weitere Rauminstallation von Eva Schlegel, die das Thema des "in between", des Dazwischen, aufgreift. In Anspielung auf die Wetterkameras, die an Wetterballons angebracht sind und meteorologische Informationen sammeln, hat die Künstlerin zudem an der Eingangstür eine interaktive Webcam installiert, die Bilder vom eintretenden Besucher macht. "Die Bilder werden über einen Beamer auf den Boden projiziert, wandern dahin, bis sie Zerplatzen. Das spielt an auf die Wetterballons, die aufgrund des geringen Luftdrucks zerplatzen, aber natürlich auch auf das Zerplatzen von Träumen, auf Auslöschung und Vergänglichkeit", erläutert Schlegel.

Blei-Sex

Der poetischen Flüchtigkeit von Ballons, Winden und Wolken setzt Eva Schlegel im MAK ein Haus aus Blei gegenüber: In der Intimität eines Ausstellungsraums im Ausstellungsraum zeigt sie erotische Motive, die in einer aufwändigen Technik auf kleinformatige Bilder übertragen wurden. Dutzende Lackschichten darüber verdichten sich zu entrückten Farbräumen. Mit Amateur-Pornografie als Träger kultureller Codes arbeitet Schlegel bereits seit über zwanzig Jahren.

Bilder aus den Dunkelkammern anonymer Amateure und aufwändige Rauminstallationen zur Überwindung der Schwerkraft: Eva Schlegel fährt in ihrer Ausstellung "In between" mit beiden Dimensionen auf. Das gilt auch für ihre zeitgleiche Ausstellung in der Galerie Krinzinger: Dort präsentiert die Künstlerin mit Recherchematerialien zu den Arbeiten im MAK Bodenständiges, ebenso wie, mit einer neuen Installation, die Decke und Boden durchdringt, eine neue Arbeit zur Immaterialisierung des Raums.

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