Peking als "Retter in der Not"

China hat angekündigt, weiterhin spanische Staatsanleihen zu kaufen. Ähnliches hatte China auch Griechenland und Portugal versprochen. China gibt sich als Retter in der Not. Doch hinter dem finanziellen Engagement der Chinesen in Europa stecken klare wirtschaftliche und politische Interessen.

Mittagsjournal, 05.01.2011

China hält 10 Prozent von Spaniens Anleihen

"Gute Freunde sind schließlich da um zu helfen." Mit diesen Worten wurde Chinas Regierungschef Anfang Oktober in Athen vorstellig und ließ den Worten gleich auch Taten folgen - mit Milliardeninvestitionen in griechische Häfen und Staatsanleihen. Sein Stellvertreter und kolpotierter Nachfolger Li Keqiang unternimmt ähnliches gerade in Spanien. Zehn Prozent der spanischen Anleihen sollen bereits in chinesischem Besitz sein.

Devisen wollen investiert werden

Chinas Medien präsentieren unterdessen das eigene Land zuhause als Retter in der Not, als Retter der angeschlagenen Europäer. Doch es wäre nicht die weltpolitische Bühne, stünden hinter dem chinesischen Engagement rein selbstlose Motive. China exportiert viel mehr als es importiert und sitzt deshalb auf einem Berg an Devisen im Gegenwert von gut 2,6 Billionen Dollar - eine Zahl mit 12 Nullen. Nicht wenig davon – bis zu 30 Prozent wird geschätzt – sind Euroreserven. Und die müssen schließlich investiert werden.

Größter Gläubiger der USA

Bisher hat China rund zwei Drittel seiner Devisenreserven in Dollar angelegt und wurde so zum größten Gläubiger der USA. Aber auch zum Schicksalsgenossen der Amerikaner. Um sich von der US-Währung weniger abhängig zu machen setzen die Chinesen jetzt stärker auf den Euro. Zwei Fliegen auf einen Schlag. Schließlich wäre eine Ausweitung der Eurokrise, die Europas Volkswirtschaften weiter schwächen würde, auch schlecht für die chinesische Exportwirtschaft. Und die ist immerhin der Motor für Chinas atemberaubenden wirtschaftlichen Aufstieg.

Politische Absichten

Hinter der chinesischen Charmeoffensive in Europa stehen aber auch beinharte politische Überlegungen. China will seinen Einfluss in Europa stärken. China hofft auf eine Lockerung der Einschränkungen beim Handel mit sensiblen High-Tech-Produkten aus der EU, die auch für das nationale Aufrüstungsprogramm dringend benötigt werden. Und man hofft überhaupt auf ein Ende des Waffenembargos, das seit gut 20 Jahren, seit dem Massaker am Platz des Himmlischen Friedens in Peking in Kraft ist.

Erste Erfolge

Chinas Wünsche werden gehört. So hat jüngst etwa die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Embargos geäußert, wie zuvor schon mehrere EU-Länder, darunter auch Spanien. Jetzt übt sich China zunächst aber einmal in der Rolle des Unterstützers europäischer Krisenländer, als internationaler Investor. Eine Rolle, an die sich die Europäer gewöhnen werden müssen.

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