Darabos: Chronologie einer Wende

Am Montag hat Verteidigungsminister Norbert Darabos General Edmund Entacher als Generalstabschef abberufen, weil der öffentlich am System der Wehrpflicht festgehalten hatte. Andere hohe Militärs schweigen. Auf der Website des Verteidigungsministeriums kann man lesen, dass die hohen Offiziere durchwegs für die Wehrpflicht sind, wie der Minister selbst bis vor wenigen Monaten.

Morgenjournal, 27.01.2011

Böse Reime in "Kronen Zeitung"

Es war im Juli 2010, und die SPÖ hielt dem Druck der "Kronen Zeitung" noch stand. Obwohl die Kampagne für ein Berufsheer schon voll im Gang war. Mit fetten Schlagzeilen auf Seite 1 und bösen Reimen wie: "Der Herr, der nie gedient beim Heer, befürwortet die Wehrpflicht sehr." Und so weiter. Der ehemalige Zivildiener Norbert Darabos stand trotzdem noch ganze drei Monate felsenfest.

Dann verbündete sich der Wiener SPÖ-Chef Häupl im Gemeinderatswahlkampf mit der "Krone" und Darabos ging in die Knie.

Generäle: Kommentare auf Internetseite

Im Juli 2010 hatte er nicht nur seinen Generalstabschef Edmund Entacher für die Wehrpflicht in die Schlacht geworfen, wie immer noch auf der Website des Ministeriums zu lesen ist. Darabos ließ damals auch viele Generäle aufmarschieren, um die Wehrpflicht zu verteidigen.

"Massive Aufgabenreduzierung"

Etwa Brigadier Karl Berktold, Militärkommandant von Salzburg: "Ein Umstieg auf ein Berufsheer wäre mit massiven Aufgabenreduzierungen des Bundesheeres verbunden. Hilfseinsätze im Inland können dann nur noch sehr beschränkt durchgeführt werden."

Brigadier Karl Schmidseder, Militärkommandant von Wien: "Eine Wahrnehmung der Hauptaufgaben des Bundesheeres ohne Wehrpflicht und ohne Miliz und Reserve ist zwar nicht undenkbar, aber unrealistisch."

Brigadier Heinz Zöllner, Militärkommandant der Steiermark: "Der derzeitige Umfang an Assistenzleistungen für zivile Behörden und die österreichische Bevölkerung scheint unter Berücksichtigung der budgetären Lage nur durch ein Wehrpflichtigenheer erfüllbar."

"Keine Identifikation mit Heer mehr"

Brigadier Rupert Stadlhofer vom Kommando Luftraumüberwachung: "Mit populistischen und zu kurz greifenden Argumenten wird Bevölkerung und Bundesheer kein guter Dienst erwiesen."

Brigadier Anton Waldner, Kommandant der sechsten Jägerbrigade: "Der Austausch zwischen der Bevölkerung und den Streitkräften im Wege des Wehrdienstes ist als wesentliches Identifikations- und Kommunikationsmittel zu sehen."

Und schließlich Brigadier Andreas Putz vom Kommando Luftunterstützung: "Ohne Grundwehrdiener ist eine Aufgabenerfüllung zur Sicherstellung des Flugbetriebes nicht beziehungsweise nur unter erheblicher Kostensteigerung machbar."

Alles nachzulesen

Verteidigungsminister Norbert Darabos selbst hat damals auf der Website seines Hauses genau jene Argumente gegen ein Freiwilligenheer aufgelistet, die er sich heute von seinen Kritikern anhören muss.