Kein Brot, kein Benzin

Alltag in Kairo steht still

Das Alltagsleben in Ägypten steht still. Die Ägypter, die nicht auf der Straße sind, bleiben in ihren Häusern. Nicht nur weil es Ausgangssperren gibt, sondern um sie vor Plünderern zu bewachen. Zu Essen kaufen kann man fast nichts mehr. Benzin gibt es auch nicht. Die Menschen stecken fest, erzählt die Ägypterin Hala Yassin, die viele Jahre in Wien gelebt hat.

Morgenjournal, 03.02.2011

Bankomaten ohne Geld

Seit zehn Tagen hat Hala Yassin das Haus nicht mehr verlassen: "Das Leben hier steht still. Wir haben zum Glück Bargeld zu Hause. Wir konnten noch was kaufen, jetzt haben wir genug Essen für ein paar Tage. Aber viele Ägypter haben kein Bargeld mehr, sie hätten ja zu Monatsbeginn ihr Gehalt bekommen, aber das kam nicht. Auch die Bankomaten gehen nicht oder sind geplündert. Viele haben nicht mal mehr genug Pfund in der Tasche um Brot zu kaufen". Es sei schwer, Brot zu finden, sagt Hala, die Geschäfte seien zu, man müsse überall herumfragen wo es noch was zu kaufen gibt.

Häuser werden selbst verteidigt

Hala Yassin lebt in einer Siedlung in einem Außenbezirk von Kairo. Hier leben wohlhabende Ägypter, sie haben Angst vor Plünderungen. Deshalb hat die Männer der Nachbarschaft eine eigene Bürgerwehr organisiert: "Mein Sohn muss von 11 Uhr Nachts bis 6 Uhr morgen in der Bürgerwehr sein. Die Männer haben sich Waffen gebastelt, lange Stöcke mit Messern drauf. Wir haben Angst, dass die Häftlinge die aus den Gefängnissen geflohen sind, plündern. Ich kenne Leute, die angegriffen worden sind, und sich verteidigt haben". Keiner geht mehr zur Arbeit. Die öffentliche Infrastruktur ist zusammengebrochen. Die Mullabfuhr zum Beispiel kommt nicht mehr, Müll wird gestapelt oder auf der Straße verbrannt.

Angst vor dem Morgen

Benzin gibt es auch nicht mehr, sagt Hala. Das sei fast egal, man könne ja nirgendwo hinfahren: "Wir haben Ausgangssperren. Aber man könnte auch nicht einfach überall hinfahren, weil überall die Bürgerwehr die Straßen bewacht. Man muss sich ausweisen und beweisen, dass man in der Nähe wohnt, alle haben Angst vor Überfällen".

Hala hat Angst dass die Lage schlimmer wird, weil Präsident Mubarak nicht zurücktritt. Sie glaubt, er wird hart gegen seine Gegner durchgreifen. Die wichtigste Rolle hat das Militär: "Niemand weiß wo sie stehen, entweder sie lehnen sich gehen Mubarak auf oder sie folgen ihm, das wäre eine Katastrophe".

Ausharren in Kairo

Halas Tochter lebt in Wien, eigentlich wollte sie sie diese Woche besuchen, aber sie ist in Kairo geblieben. Sie will ihre Familie dort nicht alleine lassen. Aber, wer weiß, sagt sie, vielleicht müssen wir doch bald weg: "God help us".