Jubiläumsausstellung über die Geburt der Karikatur

Zehn Jahre Karikaturmuseum Krems

Im September 2001, also vor knapp zehn Jahren, öffnete das Karikaturmuseum in Krems seine Pforten. Als erstes und bis dato einziges Museum in Österreich widmet sich das Karikaturmuseum Krems den in der Kunstgeschichte marginalisierten Darstellungsformen Karikatur, Bildsatire und Humorzeichnung.

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums hat Direktorin Jutta Pichler den renommierten Kunsthistoriker Werner Hofmann eingeladen, eine Ausstellung zu kuratieren. Als langjähriger Direktor der Kunsthalle Hamburg und als Gründungsdirektor des Museums des 20. Jahrhunderts in Wien, heute MUMOK, hat sich Werner Hofmann einen Namen gemacht.

Kulturjournal, 17.03.2011

Hofmann hat mit der Ausstellung "Ich traue meinen Augen nicht. Streifzüge durch 400 Jahre Karikatur und Bildsatire" eine Ausstellung kuratiert, die sich von der bisherigen Programmierung des Karikaturmuseum Krems deutlich abhebt. Denn gezeigt werden nicht etwa die Arbeiten bekannter österreichischer Karikaturisten wie Manfred Deix oder Gustav Peichl alias Ironimus, gezeigt wird eine große Schau, die die Geburt der Karikatur aus dem Geiste des Vexierbildes, der Verzerrung, der Übertreibung, der optischen Täuschung herleitet. Am Samstag, 19. März 2011 wird die Ausstellung eröffnet.

Trugbild, Schattenwurf und Verzerrung

Hohlspiegel, die die Gliedmaßen des Betrachters grotesk verzerren, Majuskeln aus mittelalterlichen Handschriften, deren Ornamente sich zu Fabelwesen gruppieren, Gesichter und Körper, die nicht den harmonischen Gesetzmäßigkeiten des Schönen folgen, sondern verzerrt und aus der Form geraten sind. In der Ausstellung "Ich traue meinen Augen nicht" öffnet das Karikaturmuseum Krems eine Wunderkammer, die Kurioses, Groteskes und Überraschendes birgt. Kurator Werner Hofmann sucht in der Kunstgeschichte nach einer visuellen Sprache, die nicht nur die Karikatur und Bildsatire, sondern auch die Gegen-Ästhetik der Moderne vorbereitet hat:

"Wenn man mit der Karikatur befasst, sieht man, dass sich darin eine Kraft versteckt. Nicht nur der Aufmüpfigkeit, sondern ein Erfindungsdrang, der sich im karikierten Geschöpf niederschlägt. Den Karikaturisten hat man immer vorgeworfen hat, dass sie die Freiheit, das Flotte, das Ordinäre, das Grobschlächtige in die Sprache der Zeichnung einführen", sagt Kurator Werner Hofmann.

Über die Karikatur im eigentlichen Sinne, deren erste Blüte eng mit der Entwicklung des Zeitschriftenwesens im 18. Jahrhundert verknüpft ist, geht die aktuelle Ausstellung im Karikaturmuseum Krems weit hinaus. Kurator Werner Hofmann entdeckt in Darstellungsformen, die das Ideal des Kunstschönen und Harmonischen unterlaufen, eine von der Kunstgeschichte oft vernachlässigte, jedoch äußerst vitale Subkultur. Wie alt diese marginalisierte Tradition ist, zeigen die Exponate der Ausstellung, die bis ins Mittelalter zurückreichen. Eine Bildsprache, so Kurator Werner Hofmann, die in der Karikatur, aber auch in der Ästhetik der Moderne weiterlebt.

Eine vitale Subkultur

"Die Moderne hat sich gegen akademische Normen und Usancen gerichtet", erklärt Werner Hofmann. "Man hat aber übersehen dass es schon längst Kunstpraktiken gegeben hat, die sogenannten Randkünste - so nenne ich sie -, in denen man sich überhaupt nicht um die Regeln dieses oder jenes Meisters gekümmert hat, sondern einfach drauflos gearbeitet und experimentiert hat, um Neuland zu entdecken", sagt Werner Hofmann

Rund 200 Objekte, Bilder und Illustrationen hat Kurator Werner Hofmann für die Ausstellung zusammengetragen. Die meisten Exponate stammen aus der Privatsammlung Werner Nekes. Eine der größten Sammlungen Europas zur - wie es der Sammler selbst ausdrückt - "Geschichte der Bilderzeugung". Seit Jahrzehnten sammelt der bekannte deutsche Experimentalfilmer und Mentor des jungen Christoph Schlingensief optische Apparaturen. Von der Camera obscura, über die Laterna magica bis hin zum Kinematographen der Brüder Lumière: Die Sammlung Nekes dokumentiert die Vorgeschichte des Kinos.

Die Sammlung verfügt darüber hinaus über zahlreiche Karikaturen, Bildsatiren, Vexierbilder und Grafiken, die die Effekte optischer Täuschungen, Verzerrungen und Übertreibungen vorführen. Grafiken, Illustrationen und Studien, die die blinden Flecken der Wahrnehmung ausleuchten, überraschen, täuschen, oder auch unterhalten. Kurz, die eine Verwandtschaft zur Karikatur aufweisen. Ein großer Teil dieser Arbeiten ist im Karikaturmuseum in Krems zu sehen.

Service

Ausstellung "Ich traue meinen Augen nicht. Streifzüge durch 400 Jahre Karikatur und Bildsatire", 20. März bis 18. September 2011, Karikaturmuseum Krems,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (20 Prozent).

Werner Nekes, Film "Johnny Flash", mit Helge Schneider in seiner ersten Kinorolle, 19. März 2011, Kino im Kesselhaus, Krems

Karikaturmuseum Krems
Werner Nekes