Europäischer Theaterpreis

Vor rund 25 Jahren entstand die Idee zu einem Europäischen Theaterpreis, damals auf Anregung des verstorbenen italienischen Regisseurs Giorgio Strehler. Am Samstag, 16. April 2011 wird der mit 60.000 Euro dotierte Preis zum 14. Mal vergeben und zwar an den deutschen Theatermacher Peter Stein.

Kultur aktuell, 16.04.2011

Während auf dem gigantischen Schlossplatz vor dem Winterpalast die unterschiedlichen Formationen des russischen Militärs aufmarschieren und schaulustige Einheimische und Touristen anlocken, haben sich die unzähligen Theater St. Petersburgs dieser Tage mit russischen Theaterfans, aber auch mit einem eigens angereisten Fachpublikum aus aller Welt gefüllt. Mehrere Vorstellungen gibt es am Tag, oft schon vormittags beginnend, etwa eine theatralische Version von Franz Kafkas Erzählung "Die Verwandlung", gespielt von dem isländischen Vesturport-Theater.

Das Vesturport-Theater aus Reykjavik spielt nicht auf Isländisch, sondern auf Englisch. Es konkurriert mit vier anderen Truppen um den Europäischen Theaterpreis für Neue Realitäten, der immerhin mit 30.000 Euro dotiert ist. Portugal, die Slowakei, Finnland, England und Russland sind die Herkunftsländer der anderen Bewerber.

Von der Unesco gefördert

Eine Jury wird den Gewinner bestimmen. Georges Banu, französischer Theaterkritiker und schon lange im Beratungsgremium des vom Europaparlament und der Unesco geförderten Europäischen Theaterpreises, wies in St. Petersburg darauf hin, wie wichtig es für diese Stadt ist, sich als Theater und Kultur- und Festivalstadt zu positionieren, aber auch wie gerne die Theaterkünstler in diese Stadt kommen.

Auch Anton Nikolaevich Gubankov, der Kulturverantwortliche der Stadt, nützte die Gelegenheit, vor den Theaterexperten und Journalisten aus aller Welt auf das reiche Kulturangebot der Stadt hinzuweisen. Er sprach über die Anstrengungen, die alten Paläste aus der Zarenzeit, aber auch aus der Sowjetunion zu restaurieren, instandzuhalten und mit neuen Inhalten zu füllen, aber auch neue Theater zu gründen und neue, auch private Finanzierungsmodelle zu finden.

Wie viele Theaterbauten es in St. Petersburg gibt, davon können sich die Zaungäste beim Europäischen Theaterpreis dieser Tage ein Bild machen. Ob sie im Maly Theater eine Aufführung von Tschechows "Drei Schwestern" sehen, im Baltischen Theaterhaus hinter der Peter-und-Paul-Festung Kleists "Zerbrochenen Krug" mit Klaus Maria Brandauer, oder im prächtigen Alexandrinski Theater eine ebenfalls vom Preisträger Peter Stein inszenierte "Faust-Fantasie". Danach wird am Sonntag, 17. April 2011, Peter Stein der Europäische Theaterpreis überreicht und er steht damit in einer Reihe mit vielen berühmten Kollegen und Kolleginnen wie Ariane Mnouchkine oder Peter Brook.