Hilde-Zadek-Gesangswettbewerb

Der heurige Internationale Hilde-Zadek-Gesangswettbewerb hat eine klare Siegerin hervorgebracht: die 25-jährige rumänische Mezzosopranistin Ileana Mateescu erhielt am Wochenende den mit 7.000 Euro dotierten ersten Preis sowie drei Zusatz-Auszeichnungen.

Benannt ist der Wettbewerb, der alle zwei Jahre in Wien stattfindet, nach der Kammersängerin Hilde Zadek, die mit 93 Jahren nach wie vor Meisterkurse gibt und selbst in der Jury des Preises sitzt.

Kulturjournal, 02.05.2011

Mahler und Händel

Mit einem Lied der rumänischen Komponistin Felicia Donceanu und Gustav Mahlers "Lob des hohen Verstandes" überzeugte Ileana Mateescu Jury und Publikum ebenso wie mit der Arie "Sento la gioia" aus Georg Friedrich Händels Oper "Amadigi di Gaula".

Das technisch höchst anspruchsvolle und koloraturenreiche Stück ist der 25-jährigen Mezzosopranistin bereits vertraut. Am Staatstheater Mainz, wo Mateescu seit zweieinhalb Jahren Mitglied des Jungen Ensembles ist, verkörperte sie in Händels "Amadigi" die Titelrolle.

Wettbewerb als Herausforderung

Trotz einiger bereits gesammelter Bühnenerfahrung übt sich Mateescu in Bescheidenheit: "Ich muss so viel lernen und deswegen war dieser Wettbewerb eine sehr gute Erfahrung. Man muss schon ein gewisses Selbstbewusstsein haben. Das war für mich die Herausforderung: Einfach da zu stehen und vor dem Publikum alle zu geben, sich zu öffnen."

Sängerin zu werden, war kein Mädchentraum von Mateescu. Sie spielte mit dem Gedanken, Medizin oder Jus zu studieren und lernte auch Geige: "Mit 17 war ich noch sehr unentschieden. Da bin ich einmal in die Oper gegangen und wollte ein Autogramm von einem Sänger holen. Dafür bin ich hinter die Bühne gegangen. Das war der entscheidende Moment für mich. Ich war in einer anderen Welt und habe mir gesagt: Ja, das will ich machen."

Sängerin beeindruckte Jury

Gegen 67 andere Kandidatinnen und Kandidaten hat sich Mateescu im Wettbewerb durchgesetzt. Auch Namensgeberin Hilde Zadek, die zusammen mit Musikgrößen wie Kammersängerin Christa Ludwig und dem britischen Pianisten Charles Spencer in der Jury sitzt, zeigt sich von der Siegerin beeindruckt.

"Man misst heute einen guten Sänger an Mozart, an Händel und an Bach, weil da muss man wirklich Farbe bekennen", betont Zadek. "Während man bei der modernen Musik, die wir ja als Schwerpunkt in unserem Wettbewerb haben, kann man viel mehr kaschieren, kann man mit dem Ausdruck viel mehr spielen. Bei Händel, Bach und Mozart muss man wirklich reine Musik singen und das muss glasklar sein. Und diese Sängerin hat es so gesungen."

Zadeks pädagogische Tätigkeit

Zum siebenten Mal wird der Internationale Hilde-Zadek-Wettbewerb durchgeführt. Als Kooperationspartner der Hilde Zadek Stiftung fungiert dabei die Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst, in deren Räumen vergangene Woche die Vorausscheidung stattgefunden hat.

Zadek, die 25 Jahre lang an der Wiener Staatsoper wirkte und alle wichtigen Sopranpartien sang, ist seit Jahrzehnten auch als Pädagogin aktiv: "Ich erachte es einfach als meine Aufgabe, das weiterzumachen, solange ich lebe, dass ich versuche, jungen Sängern zu helfen, Künstler zu werden."

Die weiteren Preise

Der zweite Preis ging an den koreanischen Bariton Eung Kwang Lee, Platz drei teilen sich die deutsche Mezzosopranistin Christina Bock und der Bariton Zachariah Kariithi aus Kenia.