Vorwürfe gegen Hahn: ÖVP wartet ab

Die Plagiatsvorwürfe gegen EU-Kommissar Johannes Hahn, früher ÖVP-Wissenschaftsminister, waren auch ein Thema am Rande der Ministerratssitzung. ÖVP-Chef Michael Spindelegger zeigte sich unbeeindruckt, Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle äußerte Vertrauen in die akademischen Abläufe.

Mittagsjournal, 24.05.2011

Verweis auf Auftraggeber

In einem Gutachten des Plagiatsjägers Stefan Weber wird Hahn beschuldigt, einen großen Teil seiner Doktorarbeit abgeschrieben und fremde Gedanken als eigene ausgegeben zu haben. Doch für ÖVP-Chef Spindelegger ist im Zusammenhang mit der Dissertation Hahns das Gutachten der Universität Wien entscheidend. Es gebe derzeit nur ein "sogenanntes Gutachten", das von einer politischen Partei - den Grünen - in Auftrag gegeben worden sei, die nicht gerade zu Hahns Unterstützern zähle, erklärte Spindelegger am Dienstag vor dem Ministerrat.

Mehrere Gutachten

Das Gutachten der Uni Wien, die die Doktorarbeit genehmigt hat, werde den "Ausschlag geben". Gefragt, ob der Auftraggeber entscheidend für die Qualität sei, meinte Spindelegger, er hoffe doch nicht. Dass es viele verschiedene Gutachten zu einem Thema gebe sei nichts Neues. Es dürfe nicht der Eindruck erweckt werden, dass der Wahrheit wirklich auf den Grund gegangen worden sei, nur weil der Grüne Klub ein Gutachten in Auftrag gegeben habe.

Töchterle vertraut Uni-Prozeduren

Auch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle verwies auf das Gutachten, das die Uni Wien bei der Agentur für wissenschaftliche Integrität in Auftrag gegeben habe. Gefragt, ob an Österreichs Unis mehr plagiiert werde als anderswo, sagte Töchterle: sicherlich nicht mehr oder weniger als weltweit. Er vertraue jedenfalls den akademischen Prozeduren und der Rechtslage, so Töchterle.

SPÖ beobachtet

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) sagte, sie verfolge die Causa, weil sie eine sehr gute Beziehung zu Hahn habe, und hoffe, dass er den Vorwurf entkräften kann. Und Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) verwies auf das für Herbst erwartete Gutachten der Universität Wien.