Orchesterprobe mit Nikolaus Harnoncourt

styriarte 2011

"Nicht wenige Personen kamen von gut besetzten Tafeln, nahmen im Concertsaale einen bequemen Platz, und wurden daselbst von dem Zauber der Tonkunst so sehr überwältigt, dass sie ein fester Schlaf überfiel." Was Albert Christoph Dies hier in seinen "Biographischen Nachrichten" von Joseph Haydn über die Geschehnisse in einem Konzert Joseph Haydns berichtet, erzürnte den Meister.

Und zwar derart, dass er sich - mit Witz und Gefühl für drastische Pointen - mit seiner Symphonie in D, Hob. I:94, "mit dem Paukenschlag" rächte. Besucher und Besucherinnen der styriarte werden wohl kaum in Versuchung kommen, Schlafbedürfnissen nachzugeben, so facettenreich und erstklassig besetzt ist das Programm der 34 Projekte, Motto: "Im schweren Leichten".

"Das Leichte ist das Schwere", schrieb Johann Joseph Fux, doch "in diesem schweren Leichten beruht die Vorzüglichkeit des guten Geschmacks und seine Würze". Was der Barockmeister aus der Steiermark vor bald 300 Jahren formulierte, inspirierte ein Programm von "Greatest Hits", in dem das Schwere am Leichten und das Leichte im Schweren genauer ausgeleuchtet wird.

Altbekanntes ganz neu

Dass Nikolaus Harnoncourt Altbewährtes noch nie unhinterfragt übernommen hat, ist bekannt. So wird auch seine Interpretation des Opernhits "Die verkaufte Braut" von Bedrich Smetana in der vom Komponisten erstellten und autorisierten deutschen Fassung am 24. Juni 2011 - als "posthume Uraufführung" - den Auftakt zum Musikfest geben. Philipp Harnoncourt führt Regie, es musizieren das Chamber Orchestra of Europe, der Arnold Schoenberg Chor und große Solistinnen und Solisten.

Zwei Haydn-Konzerte wird Nikolaus Harnoncourt mit "seinem" Concentus Musicus gestalten: die Caecilienmesse sowie drei Abende mit Haydns frühen Tageszeiten-Symphonien und der Symphonie "mit dem Paukenschlag".

Intim, träumerisch, leidenschaftlich

Das Schwere im Leichten erkunden auch die Solist/innen- und Kammermusikkonzerte. Lautenmeister Hopkinson Smith spielt Johann Sebastian Bachs Cellosuiten auf der Theorbe. Auch der Orgelvirtuose Gunther Rost gibt Bach, und Jordi Savall greift zu seiner Gambe und unternimmt einen Ausflug in den britischen Musikkosmos.

Zahlreiche Klavierabende bilden einen Schwerpunkt. Meister von Roland Pöntinen bis Pierre-Laurent Aimard, von Stefania Neonato bis zum Duo Yaara Tal und Andreas Groethuysen, von Stefan Gottfried bis Christoph Hammer, loten Mozart, Schumann, Satie und immer wieder Bach aus. Kammermusikalische Töne schlagen unter anderem das Zemlinsky Quartett mit Streichquartetten von Smetana, Janácek und Dvorák an, das Quatuor Mosaiques und Wolfgang Meyer mit Schubert, sowie Sabine Meyer, Heinrich Schiff und Martin Helmchen, die "Schlager" von Beethoven anstimmen. Superhits der Klassik, und dazu zählen auch die Beatles, bringt Rudolf Leopold mit einem achtstimmigen Cellochor zum Swingen.

Einen Ausflug in die Moderne unternimmt die styriarte mit Bertl Mütter. "dsudl - Das Schwere und das Leichte" ist der Titel seines Abends, den der Posaunist gemeinsam mit Künstlerfreunden gestaltet. Die "leichtschwere" Seele des Tango zelebriert das Schweizer casalQuartett mit dem Bandoneonisten Marcelo Nisinman.

Wuchtiges und Sommerleichtes

Zwischen der Orff'schen "Carmina Burana" und einer "Notte Italiana" mit Arien und Duetten von Rossini über Verdi bis Puccini oszillieren die Vokal- und Orchesterkonzerte. Pierre-Laurent Aimard setzt sich gemeinsam mit dem Chamber Orchestra of Europe mit Mozart auseinander. Barockes bringen das Venice Baroque Orchestra mit Vivaldis "Vier Jahreszeiten", sowie Jordi Savall, Hespèrion XXI und La Capella Reial de Catalunya. Sie tauchen gemeinsam mit dem mexikanischen Tembembe Ensamble in den Kosmos lateinamerikanischer Musik des Barock ein und leiten mit Bachs h-Moll-Messe das Finale ein.

Das Harmony of Nations Baroque Orchestra setzt mit einem "Finale barocco" den endgültigen Schlusspunkt. Auch A-cappella-Fans kommen auf ihre Rechnung: Die King's Singers machen "Lust auf Lasso", der Arnold Schoenberg Chor auf Palestrina, mit dem er die "Secrets of Vatican" lüftet. Die Sänger von Cinquecento stimmen Josquin Desprez an, und das Hilliard Ensemble nimmt Jan Garbarek mit nach Graz.

Ö1 Club Exklusiv

Am 12. Juli 2011 ist eine ausgewählte Gruppe von Ö1 Club-Mitgliedern zu Probenbesuch und Künstlergespräch in der Helmut-List-Halle Graz eingeladen. Auf dem Programm: die Tageszeiten-Symphonien und die Symphonie "Mit dem Paukenschlag" von Joseph Haydn.

Anmeldungen dafür bitte schriftlich an den Ö1 Club, Argentinierstraße 30a, 1040 Wien, per E-Mail, per Fax: (01) 501 70-372, oder im Ö1 Kalender. Bitte geben Sie an, ob Sie allein oder in Begleitung kommen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden ausgelost und verständigt. Anmeldeschluss ist am 1. Juli 2011.

service

styriarte, 24. Juni bis 24. Juli 2011,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (zehn Prozent auf ausgewählte Veranstaltungen)

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