Geister & Grooves

Am Wiener Theater in der Josefstadt modernisiert Georg Schmiedleitner gerade Nestroys Klassiker "Der böse Geist Lumpazivagabundus". Für dieses Vorhaben - Premiere ist am 15. September 2011 - hat der Regisseur die Wiener Sofa Surfers als Bühnenmusiker engagiert.

In der Theaterkantine lässt Bandmitglied Wolfgang Schlögl die Stationen seiner Formation Revue passieren: von experimenteller Elektronik zu Filmmusik und zum intellektuellen Rock. Und jetzt also ins Theater?! "Es wird vielleicht ein bisschen urbaner oder moderner, oder heutiger", so Schlögl. "Nestroy muss man mit den Augen von heute anschauen und nicht von gestern."

Teil eines Ganzen

Etwas ungewohnt ist das Spielen auf Kommando für eine Rockband schon, aber durchaus spannend. Die Tatsache, dass man nicht im luftleeren Raum agiere, sondern in Interaktion mit anderen kreativen Disziplinen wie Schauspiel habe auch seinen Reiz, meint Schlögl. "Man sieht sich als Teil eines Ganzen und im besten Fall ist man auch mehr als die einzelnen Teile."

Während im Theater der Text geprobt wurde, arbeiteten die Sofa Surfers an der Musik. Der Regisseur besuchte sie täglich und brachte seine Vorstellungen ein. Was rausgekommen ist habe wenig typisch Wienerisches, wenig Zuckerguss, wenig typisch Nestroy-mäßiges, sagt Schmiedleitner, sondern "es ist eine sehr eigenständige Interpretation von Nestroy'schem Geist".

Die Parallelwelt der Finanzhaie

Die Musik der Sofa Surfers holt "Lumpazivagabundus" in die Gegenwart, so Schmiedleitner. In der Zauberposse lassen höhere Mächte drei arme Burschen zu Geld kommen, um zu sehen, was passiert. Wie ernst kann man ein Feenreich als Parallelwelt heute nehmen?

"Das sind die abgehobenen und realitätsfremden Politiker, Banker und Geldwirtschaftler, das ist die Parallelwelt, die nichts mehr mit der Realität zu tun hat", meint Schmiedleitner. Zu Nestroys Zeiten war der Kaiser gemeint, heute müsse man die Finanzwelt sehen, die "immer mehr ihre Profite steigert bei gleichzeitig zunehmender Armut".

Keine Klischees

Für Wolfgang Schlögl bedeutet die Arbeit am Theater eine weitere Herausforderung für die Band. Nach vielen Verwandlungen bedienen die Sofa Surfers nun wieder ein neues Format und verweigern sich zugleich seinen Klischees.

"Was kann eine Band heutzutage sein?", fragt Wolfgang Schlögl. Es müsse ja nicht immer Rock'n'Roll sein. "Die Band als Vehikel zu nehmen und andere Dinge kennen zu lernen und sich selber treu bleiben zu können, das sehen wir eher als Gnade an."

service

Johann Nestroy, "Der böse Geist Lumpazivagabundus", ab 15. September 2011, Theater in der Josefstadt,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (zehn Prozent an der Abendkasse).

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