Das Ende der Glühbirne

Die Umstellung von der Glühbirne auf Energiesparlampen wurde den Konsumenten von allen Seiten als eine Win-Win-Situation verkauft. Der österreichische Filmemacher Christoph Mayr zeigt in seinem Dokumentarfilm "Bulb Fiction", dass das nur die halbe Wahrheit ist. Und welche Machenschaften zwischen Industrie und Politik zum Glühbirnenverbot geführt haben.

Mittagsjournal, 12.09.2011

Da habe der Konsument was davon, die Ökologie, der Verkäufer und der Hersteller hätten auch was davon: So wie von diesem Industrievertreter wurde den Konsumenten die Energiesparlampe immer schmackhaft gemacht. Von der Politik, die sich damit ein positives Umweltimage anheften konnte. Von den NGOs, die einen zählbaren Erfolg vorweisen konnten, und von den Herstellern sowieso. Alles wunderbar. Glühbirne raus - Energiesparlampe rein.

Christoph Mayr vermittelt da in seinem Film ein etwas anderes Bild: Als erstes seien die Inhaltsstoffe giftig, so Mayr, zweitens gebe die Lampe kein schönes Licht ab, und die Entsorgung sei nicht geklärt.

Dabei, so Mayr, hätte es durchaus andere, energieeffiziente Lösungen gegeben. Etwa Glühbirnen mit weit längerer Haltbarkeit bei gleichem Energieverbrauch. Doch das hätte für die Industrie unwillkürlich zu Umsatzeinbußen geführt.

Absprachen der Industrie

Die großen Hersteller, so Mayr, haben sich schon in den 1920ern im sogenannten PHÖBUS-Kartell zusammengeschlossen und abgesprochen.

"Die Glühlampe, die Thomas Alvar Edison vorgestellt hat, brannte 1.500 Stunden", so Mayr. "Wir haben heute ein Produkt, das sich in den letzten 150 Jahren um so viel verschlechtert hat, dass es nur mehr 1.000 Stunden hält? Das wäre doch absurd."

Die involvierten Firmen dementieren, so ein Mitarbeiter des Landesarchivs Berlin, wo die Absprachen auf Tausenden Seiten dokumentiert sind.

"Das Klima bekämpfen"

"Bulb Fiction" liefert Argumente gegen die Energiesparlampen am laufenden Band. Wie aber war es dann möglich, dass die Politik den Konsumenten hier ein Produkt aufgezwungen hat, das offensichtlich noch weit von der angepriesenen Win-Win-Situation entfernt ist?

Christoph Mayr sucht Antworten bei der zuständigen EU-Energiekommission. Doch die blockt ab. Der ehemalige Ernergie-Komissar will nichts sagen, weil er nicht mehr im Amt ist, der aktuelle, Günther Öttinger, verweist darauf, dass er beim Erlass 2009 noch nicht im Amt war. Schließlich wird Mayr auf die Sprecherin Öttingers verwiesen. Ein zuständiger Beamter sitzt im Hintergrund, flüstert Informationen ein, darf aber nicht gefilmt werden.

Mayr kritisiert, dass durch das Verbot nur irrelevant kleine Mengen an CO2 eingespart werden. Die Antwort: "Die Glühbirne sei ein kleiner Teil, aber ein Teil einer weiteren Politik, die hoffentlich hilft, das Klima erfolgreich zu bekämpfen."

Entlarvend und emotional

"Bulb Fiction" ist entlarvend für die Politik, NGOs und Industrie. Christoph Mayrs Fazit: "Ich glaube, dass das, was beim Glühlampen-Verbot passiert ist, beispielhaft ist für den Umgang der Politik mit Lobbyismus, beziehungsweise der Umgang der Industrie mit der Politik."

Manchmal wird Mayr dabei in seiner Darstellung etwas zu emotional und dramatisierend. Ein Kunstgriff, den "Bulb Fiction" nicht nötig gehabt hätte: Unzählige Gesprächspartner aus den verschiedensten Bereichen werden vor die Kamera geholt. Die Argumentationen sind schlüssig und am Ende dürften bei so manchen Kinobesuchern die Alarmlampen aufleuchten.

Textfassung: Ruth Halle

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Bulb Fiction