Die "Traumnovelle" am Theater in der Josefstadt

Die "Traumnovelle" ist ein berühmtes Stück Prosa von Arthur Schnitzler, das auch mehrfach verfilmt wurde. Nun hat das Theater in der Josefstadt ein Theaterstück daraus machen lassen, das am Donnerstag, 29. September 2011 Premiere hatte.

Kultur aktuell, 30.09.2011

Igor Bauersima frei nach Arthur Schnitzler "Traumnovelle" Uraufführung - das ist zu Beginn des Programmheftes zu lesen, das man im Theater in der Josefstadt in die Hand bekommt. Und wer das genau liest, der kann das Debakel schon erahnen, das folgt.

Bauersima, Dreifaltigkeit von Autor, Regisseur und Bühnenbildner bedient sich der bekannten, spannenden Story von Schnitzler, die 1925 erstmals in der Mode-Illustrierten "Die Dame" in Folge erschien: Ein Arzt und seine Frau, ihr heimliches Träumen und Begehren, ein Haus, in das es den Mann verschlägt, in dem eine Geheimgesellschaft Orgien veranstaltet.

Arthur Schnitzler hat ganze zwei Jahrzehnte an der Traumnovelle gearbeitet, Stanley Kubrick hat zumindest einige Jahre seine Verfilmung mit Nicole Kidman und Tom Cruise vorbereitet. Igor Bauersima macht es sich dagegen leicht: Er baut eine Rahmenhandlung, verdoppelt den Mann, der von Alexander Pschill und Michael Dangl dargestellt wird, ein paar Filmprojektionen suggerieren, das wir im Wien von heute sind, Handy und Gegensprechanlage tun das Ihrige zu der falsch verstandenen Aktualisierung.

Tragisch, dass Schnitzlers Sprache gerade im Theater in der Josefstadt, mit Worten wie prima und Káffä gespickt werden. Der Schluss das Aufwachen des Ehepaars und die Verstörung durch die einander gestandenen Träume dürfen dann aber doch wieder Schnitzler sein.

Igor Bauersima hat immer wieder Theaterstücke und Opern bearbeitet, mit mehr oder weniger Erfolg. Auch eigene Stücke hat er geschrieben, bei denen die Story nicht geklaut wurde. Traumnovelle ist ein absoluter Tiefpunkt. Ebenso wie diese Aufführung in Arthur Schnitzlers Heimatstadt.

Textfassung: Walter Gerischer-Landrock