Hin zur Corporal Cultural Responsibility
Weg vom Kultur-Sponsoring
Der Verein KulturKontakt Austria beschäftigt sich seit Jahren mit neuen Kooperationsformen zwischen Kultur und Wirtschaft. Diesem Schwerpunkt hat KulturKontakt Austria jetzt ein ganzes Buch gewidmet: "Vom Sponsoring zur Corporate Cultural Responsibility".
8. April 2017, 21:58
Kultur aktuell, 04.10.2011
Kaum ein Tag vergeht ohne neue Hiobsbotschaft in der europäischen Schuldenkrise. Denn nicht nur Euro-Sorgenkind Griechenland ist hoch verschuldet. In den meisten europäischen Staatskassen klaffen riesige Löcher. Es muss also gespart werden. Dass der Rotstift gerne bei den Kulturbudgets angesetzt wird, hat die Vergangenheit gezeigt.
Grund genug also zu fragen, ob private Unternehmen und Konzerne als Förderer von Kunst und Kultur in Zukunft eine größere Rolle spielen sollen. Der Verein KulturKontakt Austria beschäftigt sich seit Jahren mit neuen Kooperationsformen zwischen Kultur und Wirtschaft. Diesem thematischen Schwerpunkt hat KulturKontakt Austria jetzt ein ganzes Buch gewidmet, das gestern präsentiert wurde. Es trägt den etwas sperrigen Titel „Vom Sponsoring zur Corporate Cultural Responsibility".
Fair und nachhaltig
Corporate Social Responsibility, kurz CSR, lautet seit einigen Jahren das Zauberwort in den Kommandozentralen internationaler Konzerne. Die Auswüchse der Globalisierung, Produktionsstätten in Billiglohnländer, ausbeuterische Arbeitsverhältnisse und Umweltskandale sind für Unternehmen zunehmend zum Imageproblem geworden. Die Wirtschaft hat das gute Gewissen der Konsumentinnen und Konsumenten entdeckt. Fair und nachhaltig soll in Zukunft produziert werden.
Ob es sich dabei um marktschreierisches Wortgeklingel oder eine echte Trendwende hin zum nachhaltigen Wirtschaften handelt, wird heiß diskutiert. Immer mehr Unternehmen besinnen sich jedenfalls auf ihre gesellschaftliche Verantwortung, ihre Corporate Social Responsibility eben. Zu dieser Verantwortung wird neuerdings auch die Förderung der Kultur gezählt. Wieder macht ein Anglizismus die Runde, von der Corporate Cultural Responsibility ist vielerorts die Rede. Eben dieser Corporate Cultural Responsibility widmet der Verein KulturKontakt Austria jetzt sogar eine Publikation.
Zur Begriffsklärung trug bei der Buchpräsentation Theatermacher Peter Wolf bei: "Wie ich das verstehe ist dieser Begriff ein Ablöseprozess vom normalen Sponsoring. Das heißt ich krieg 5000 Euro von der Deutschen Bank und schreib auf meine Karte Deutsche Bank drauf, was natürlich grenzenlos langweilig ist. Die wirklich renommierten Kulturunternehmen wie etwa die Salzburger Festspiele haben davon sehr viel. Die innovativen Kulturunternehmen haben davon sehr wenig."
Mehr als ein Tauschgeschäft
Corporate Cultural Responsibility ist also mehr als ein simples Tauschgeschäft Geld gegen Logo, mehr als der Ankauf zeitgenössischer Kunst als Aufputz repräsentativer Büroräume. Fred Luks, Nachhaltigkeitsexperte der Bank Austria, ist einer der Autoren der Publikation "Vom Sponsoring zur Corporate Cultural Responsibility". Für ihn sind die dauerhafte Förderung einer Kulturinstitution, bzw. Kulturinitiative und die transparenten Förderkriterien wichtiger Bestandteil der Corporate Cultural Responsibility.
"Ein dritter Punkt ist die Zielgerichtetheit, im Sinne von nicht mit der Gießkanne Geld zu geben, sondern sich genau zu überlegen: Was möchte ich eigentlich fördern? Und da dann auch dranzubleiben", so Luks.
Ersatz für öffentliche Hand?
In Europas Staatskassen herrscht Ebbe. Kaum ein europäisches Land kann auf drastische Sparmaßnahmen verzichten. Das betrifft freilich auch die Kulturbudgets. Müssen kulturelle Institutionen, die nicht von der sprichwörtlichen öffentlichen Hand in den Mund leben wollen, in Zukunft also vermehrt auf Gelder aus der Wirtschaft bauen?
"In Österreich ist es sehr positiv, dass staatliche Stellen sich sehr intensiv in diesem Bereich engagieren, aber eben auch Unternehmen. Und das eine kann das andere nicht ersetzen. Während es in den USA im CSR-Bereich so ist, dass die Unternehmen gleichsam für den Staat einspringen an bestimmten Stellen. Das ist hier ein Unterschied und das finde ich sehr positiv", betont Luks.
Noch steckt das Konzept der Corporate Cultural Responsibility in den Kinderschuhen. Inwieweit es neue Kooperationsformen zwischen Kultur und Wirtschaft hervorbringen wird, wird sich erst zeigen.
Service
"Vom Sponsoring zur Corporate Cultural Responsibility", Edition Atelier
KulturKontakt Austria
