Otto Tausig 89-jährig gestorben

Otto Tausig war einer jener seltenen Bühnenpersönlichkeiten, die sich nicht nur durch charakteristisches Spiel auszeichnen, sondern auch durch Charakter, Engagement und Rückgrat. Der österreichische Schauspieler ist am Montag, 10. Oktober 2011 kurz nach Mitternacht im Alter von 89 Jahren nach langer, schwerer Krankheit gestorben.

Nach Angaben des Entwicklungshilfeklubs starb Tausig im Kreis seiner Familie.

Kultur aktuell, 11.10.2011

Einen Bühnenrückblick auf sein Leben im Wiener Volkstheater 2001 nannte er "Kasperl, Kummerl, Jud". 2009 wurde ihm der Nestroy-Preis für sein Lebenswerk verliehen.

Vielzahl verschiedener Rollen

Auf die komischen Typen war Tausig seit Beginn seiner Karriere spezialisiert und kultivierte innerhalb dieses Rollenfachs die Kombination aus tragischen Untertönen mit einem schier unüberschaubaren Repertoire an Vielzahl und Farbigkeit der komödiantischen Facetten.

Er gab den Cyrano de Bergerac und den spanische Ritter vom Mirakel, er wirbelte als Goldonis Truffaldino über die Bühne und blödelte mit Walter Giller in der TV-Serie "Locker vom Hocker".

Emigration nach England

Geboren wurde Otto Tausig am 13. Februar 1922 in Wien. 1939 emigrierte er als 16-Jähriger nach England, wo er sich als Land- und Fabrikarbeiter durchschlug und wo aus dem wohl behüteten Bürgerkind nach 20 Monaten Internierungslager ein Marxist wurde. Nach dem Krieg studierte Tausig am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Sein Debüt gab er am Neuen Theater in der Scala in Wien, wo er auch als Regisseur und Chefdramaturg bis 1956 tätig war.

Nach der Scala-Schließung 1956 ging er mit vielen Kollegen ans Deutsche Theater in Ost-Berlin. Es folgten Engagements in Zürich, Wien, Berlin (Volksbühne), Köln, Hamburg, Frankfurt und München. Von 1970 bis 1983 war er als Schauspieler und Regisseur Ensemblemitglied des Burgtheaters, seit 1983 war er wieder frei tätig. Seinen offiziellen Bühnenabschied gab Tausig, der 1996 mit dem Nestroy-Ring der Stadt Wien ausgezeichnet wurde, 1999 im Volkstheater als Schnoferl in Nestroys "Das Mädl aus der Vorstadt".

Film und Fernsehen

Seit den 60er Jahren war Tausig allerdings nicht nur am Theater, sondern auch wesentlich in Film und Fernsehen tätig. So spielte er unter anderem in der "Alpensaga" (1977), in Jan Schüttes "Auf Wiedersehen, Amerika" (1994) und in Peter Wecks Neuverfilmung des Hofrat Geiger (1996).

2001 stand er für "Epsteins Nacht" mit Mario Adorf und Bruno Ganz vor der Kamera sowie für die Verfilmung von Robert Schindels Roman "Gebürtig". Auch in "Jedermanns Fest" von Fritz Lehner war er im Kino zu sehen.

In der Entwicklungshilfe engagiert

Zeit seines Lebens politisch engagiert, galt Tausigs große Leidenschaft seit vielen Jahren der Entwicklungshilfe. Gemeinsam mit seiner Frau, der Schauspielerin Lilly Schmuck, spendete der Schauspieler sämtliche Gagen dem Entwicklungshilfe-Klub und half damit vor allem ausgebeuteten und verschleppten Kindern.

"Ich kann diesen Beruf in meinem Alter nicht mehr so ganz ernst nehmen - ich würde es wertvoller finden, mich mit wissenschaftlichen Büchern zu beschäftigen", meinte Tausig dazu einmal in einem Interview. "Aber mit diesem Ziel vor Augen gibt mir das so viel Sinn." Auch bei seiner Nestroy-Ehrung 2009 ließ er einen Spenden-Korb kreisen. Für sein Engagement wurde Tausig 1998 mit dem Bruno-Kreisky-Preis für Menschenrechte ausgezeichnet.

Trauer um Tausig

Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) zeigte sich in einer Aussendung tief betroffen vom Ableben des Schauspielers:"Otto Tausig gehörte zu den herausragendsten Schauspielern Österreichs. Er verstand es, durch seine Sprachmächtigkeit das Publikum zu fesseln. Otto Tausig war aber mehr als nur ein begnadeter Künstler. Er verstand seine eigene Biografie als Auftrag, Menschen zu helfen, für die Flucht die einzige Möglichkeit war, zu überleben."

2009 verlieh Schmied Otto Tausig das Bundesehrenzeichen für ehrenamtliche unentgeltliche Leistung, mit dem Schwerpunkt "Toleranz und Menschenrechte".

Der Entwicklungshilfeklub trauert um seinen "lieber Weggefährten": "Jahrzehntelang hat er sich unermüdlich für Menschen eingesetzt, die keine Chance hatten, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Sein großes Herz, sein tiefes Mitgefühl und sein wunderbarer Humor haben ihm dabei geholfen. Immer, wenn Otto spielen konnte, lebte er auf, aber es ging ihm schon lange Zeit nicht gut. Jammern haben wir ihn freilich nie gehört, selbst über seine Gebrechen konnte er noch scherzen", heißt es in einer Mail von Geschäftsführerin Gabriele Tabatabai. "'Ich habe Glück gehabt im Leben' war einer der Leitsprüche dieses großen Mannes, der in seinem langen Leben selbst unglaublich viel durchzumachen hatte. Wir haben Glück gehabt und sind dankbar, lieber Otto, dass wir mit dir so viele Jahre gemeinsam arbeiten durften. Du wirst uns fehlen! Wo immer du auch bist, es möge dir gut gehen!"

Service

Die CDs "Zum Todlachen", "Zum Todlachen 2009" und "Zum Todlachen 2010" sind im Ö1 Shop erhältlich.

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