Eine musikalische Reise

Marc Ribot im Porgy & Bess

Er ist ein musikalischer Querdenker und ein Virtuose auf seinem Instrument: Der Jazzgitarrist und Komponist Marc Ribot. Gestern trat Ribot im Wiener Porgy & Bess auf und sorgte mit Free Jazz Improvisationen für Begeisterung beim Publikum.

Kulturjournal, 2.11.2011

Wenn Marc Ribot, Henry Grimes und Chad Taylor gemeinsam ihre musikalischen Ideen entwickeln und fortspinnen, dann greifen sie auf einen großen gemeinsamen Fundus zurück. Begonnen hat die Zusammenarbeit 2003.

Bassist Henry Grimes, in den 1960er-Jahren einer der wichtigsten Vertreter des Free Jazz, war jahrzehntelang von der Bildfläche verschwunden. Als er 2003 plötzlich wieder auftauchte, ergriff Marc Ribot die Chance und bot ihm eine Zusammenarbeit an.

Daraus entstand das Free Jazz Quartett "Spiritual Unity". Ein Projekt, aus dem nun das Marc-Ribot-Trio hervorgegangen ist. Den drei Herren geht es auf der Bühne vor allem um eines: um die freie Improvisation.

Jazz, Blues, Punk und freie Assoziationen

Beim Publikum im Porgy & Bess hat die Musik gestern Abend einiges bewirkt. Marc Ribot und seine Kollegen nehmen gemeinsame Stücke aus der jüngeren Vergangenheit als Grundlage und steigern sich in ein ekstatisches Zusammenspiel hinein, das sich zwischen Jazz, Blues, Punk und freien Assoziationen bewegt.

Die Qualitäten des Gitarristen Marc Ribot haben bereits in den 1980er-Jahren Größen wie Elvis Costello oder Tom Waits erkannt, in deren Bands und Alben der Musiker mehrfach mitgewirkt hat.

Besonders Tom Waits ist Ribot über die Jahre verbunden geblieben und ist auch auf dessen erst unlängst erschienenen Album "Bad As Me" zu hören. Der Gitarrist soll Waits' musikalische Ausrichtung in den 1980er-Jahren sogar wesentlich mitgeprägt haben.

Ein vielseitiger Künstler

Wie vielseitig Marc Ribot ist, lässt sich an den zahlreichen Projekten erkennen, mit denen der 57-jährige Gitarrist derzeit um die Welt tourt. Da wäre etwa das Trio "Ceramic Dog", mit dem sich Ribot zwischen Punk und Funk bewegt, oder die lateinamerikanisch inspirierte Band "Los Postizos".

Vergangenes Jahr hat Ribot das Solo-Album "Silent Movies" herausgebracht - es enthält Soundtracks zu vorhandenen und imaginären Filmen. Filmmusik fasziniere ihn, weil sie mit Bildern und psychischen Zuständen arbeite, sagt Ribot. Allerdings vermeide er es, tatsächlich neue Filmmusik zu schreiben, um sich nicht mit den Regisseuren herumärgern zu müssen.

Ob mit seinem Trio oder mit einem der anderen Projekte: Auf den nächsten Wien-Besuch von Marc Ribot darf mit Spannung gewartet werden.

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