Provenienzforschung in Bibliotheken

Von 1938 bis 1945 wurden in Österreich hunderttausende Bücher geraubt. Teile davon gelangten in wissenschaftliche, behördliche und öffentliche Bibliotheken. Ein Sammelband gibt erstmals Auskunft über Provinienzforschung und Restitutionsfälle.

Allein die Österreichische Nationalbibliothek, kurz ÖNB, hat zwischen 1938 und 1945 rund 500.000 geraubte Bücher geliefert bekommen - ein Teil davon wurde in den Bestand aufgenommen, der Rest vernichtet. Erst seit wenigen Jahren wird versucht, diese Bücher zu identifizieren und sie an die einstigen Besitzer bzw. deren Erben zurück zu geben.

Dem Beispiel der ÖNB folgen mittlerweile viele Universitätsbibliotheken, - man sei dazu schlichtweg auch moralisch verpflichtet, sagt Markus Stumpf - Leiter der Fachbereichsbibliothek Zeitgeschichte der Universität Wien.

Die Zahl der bisher erfolgreich restituierten Bücher geht in die Zehntausend, sagt Christina Köstner-Pemsel. Sie ist Bibliothekarin und Provinienzforscherin an der Universitäts-Bibliothek Wien und Mitherausgeberin des Sammelbandes über NS-Provinienzforschung an den Österreichischen Bibliotheken.

Trotz gesetzlicher Verpflichtung zur Provinienzforschung, sind diesbezüglich noch vor allem diverse Amts- und Behörden-Bibliotheken säumig. Darunter auch die administrative Bibliothek des Bundeskanzleramtes. Eine lobenswerte Ausnahme ist die Parlamentsbibliothek.

Service

Bruno Bauer, Christina Köstner-Pemsel und Markus Stumpf (Hrsg.), "NS-Provinienzforschung an Österreichischen Bibliotheken. Anspruch und Wirklichkeit", Wolfgang Neugebauer Verlag