Antibiotika-Resistenzen nehmen in Europa zu

Zunehmende Antibiotika-Resistenzen bei Krankheitserregern sorgen in Europa immer häufiger für Probleme. Für mehr Bewusstsein soll der 2008 ins Leben gerufene Europäische Antibiotika-Tag sorgen, der am Freitag zum vierten Mal stattfindet.

Morgenjournal, 17.11.2011

Falscher Einsatz ist tödlich

Antibiotika sind seit Jahrzehnten wirksame Mittel gegen bakterielle Infektionen - bei Mensch wie bei Tier. Doch werden sie nicht sachgemäß eingesetzt, können sie langfristig unwirksam werden - so schätzt zum Beispiel die Weltgesundheitsorganisation, dass pro Jahr in den EU-Staaten 25.000 Menschen infolge von Infektionen sterben, weil die Erreger gegen Antibiotika resistent sind. In Österreich plant das Gesundheitsministerium nun eine "Nationale Strategie" um Antibiotika-Resistenzen gering zu halten.

Bei Mensch und Tier

Antibiotika sollen heilen, sollen gegen Infektionen durch verschiedene Bakterien helfen. Die medizinische Allzweckwaffe kann aber stumpf werden, wenn die zu bekämpfenden Bakterien sich zu schützen lernen - zum Beispiel weil Antibiotika falsch eingesetzt werden, nicht passend zur Erkrankung und zu häufig verschrieben werden oder wenn Patientinnen/ Patienten die Tabletten nicht vorschriftsgemäß einnehmen. Während Griechenland fragwürdiger Spitzenreiter sei, würden in Österreich seit Jahren gleich viele bzw. wenige Antibiotika verschrieben, sagt Petra Apfalter, die Leiterin des nationalen Referenzzentrums für Antibiotikaresistenz. Auch die gefährlichen Resistenzen seien stabil, so die Medizinerin.

Was fehlt ist die Zusammenschau von Antibiotika-Verbrauch und Resistenzen bei Menschen und bei Tieren - die Zusammenhänge sind unklar; doch werden pro Jahr immerhin 60 Tonnen Antibiotika bei Geflügel, Schweinen und Rindern eingesetzt; illegale Verfütterung nicht mitgerechnet; diese Woche hat zum Beispiel eine Studie des Verbraucherschutzministeriums in Deutschland ergeben, dass 96 Prozent der Mast-Hühner mit Antibiotika behandelt werden.

"Nationale Strategie"

In Österreich müssen zwar die Betriebe dokumentieren, ob und welche Mittel sie verfüttern, doch auf Bundesebene fehlt derzeit die Übersicht, so Josef Köfer, Vorstand des Instituts für das Öffentliche Veterinärwesen. Damit gar nicht so häufig Infektionen behandelt werden müssten, dazu könnten auch weniger intensive Haltung und weniger extreme Zucht beitragen, sowie gegen bestimmte Erkrankungen zu impfen, so das Gesundheitsministerium; vorsorglich Impfen statt später Tabletten schlucken, das gelte auch für den Menschen, heißt es weiter.

Das Gesundheitsministerium will nun eine "Nationale Strategie" erarbeiten - für Antibiotika bei Mensch wie Tier; der Prozess soll im Frühjahr beginnen und viele Interessensgruppen einbinden - ob Ärztinnen, Apotheken, Hauptverband der Sozialversicherungsträger oder Forschung. Der erste Schritt - Daten zusammenzutragen - ist nun getan.