Ermittlungen im Gang

Panne bei Kampfgastest im Gefängnis

Ein missglückter Kampfgastest in der Wiener Justizanstalt Josefstadt beschäftigt derzeit Staatsanwaltschaft und Polizei. Das berichtet die Zeitschrift "News". Dabei soll eine unbeteiligte Krankenschwester der Vollzugsanstalt bleibende gesundheitliche Schäden erlitten haben - Verdacht auf fahrlässige Körperverletzung.

Mittagsjournal, 23.11.2011

Ärztin riet von Test ab

Was tun wenn ein Häftling randaliert und sich in einer Gefängniszelle verbarrikadiert, so lautete die Übungsannahme für den Versuch, der vor etwas mehr als einem Jahr in der Krankenabteilung der Vollzugsanstalt durchgeführt worden ist. Dabei wollte eine Firma aus Pasching Einsatz und Wirksamkeit von sogenanntem CS-Kampfgas vor den Zuständigen der Justizwache Josefstadt demonstrieren. Eine Ärztin, die kurz zur Vorbesprechung gerufen wurde, soll noch von dem Versuch abgeraten haben, weil durch das Kampfgas die Gefahr von Lungenschäden bestehen könnte. Doch der Firmenvertreter soll diesen Bedenken widersprochen haben, schreibt News. Der Test selbst scheint dann einigermaßen aus dem Ruder gelaufen sein.

Krankenschwester seither arbeitsunfähig

Ein Justizwachebeamter der sich freiwillig als Testperson in eine Zelle sperren ließ, kippte binnen sekunden um. Bei der Bergung der Testperson verbreitete sich das Kampfgas nach außen und zeigte auch bei den Testbeobachtern unangenehme Wirkung, ebenso wie bei der eilig aus der Krankenstation zu Hilfe gerufenen Ärztin und der Krankenschwester. Die Folgen: Chaos, Atemnot, tränende Augen, gereizte Schleimhäute. Während die anderen Betroffenen sich von dem Test schnell wieder erholt hatten, ist die Krankenschwester, die von der Übung nichts gewusst haben soll, seither arbeitsunfähig und hat sich den Ermittlungen als Privatbeteiligte angeschlossen.

"Pfefferspray reicht nicht"

In einer Sachverhaltsdarstellung kritisiert die betroffene Ärztin, dass der Test nicht ausreichend mit der Krankenabteilung abgesprochen worden sei. Kampfstoffexperten zeigen sich über den Versuch etwas verwundert. Vor allem weil davon abgeraten wird, das Gas in geschlossenen Räumen zu verwenden. Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile Gutachten in Auftrag gegeben und die Polizei mit Ermittlungen beauftragt. Bei der Vollzugsdirektion bedauert man, das die Krankenschwerster Schäden erlitten hat. Aber in seltenen Fällen würde man einfach derartige Produkte benötigen, weil normaler Pfefferspray nicht ausreicht, sagt Peter Prechtl und betont, dass nach dem missglücktem Test dieses Kampfgas nicht mehr für einen Einsatz in Betracht gezogen wird.