Gesundheitsexperten loben Bonus-Modell

Durchwegs positiv reagieren Gesundheitsökonomen auf die Pläne der Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft (SVA), ihre Versicherten für gesundes Leben zu belohnen. Die Experten fordern aber auch noch weiter gehende Maßnahmen.

Morgenjournal, 2.12.2011

Lob und Forderungen

Das Modell der SVA kurz zusammengefasst: Wer bestimmte, zuvor vereinbarte Gesundheitsziele erreicht, also beispielsweise abnimmt, den Blutdruck nach unten bringt, mehr Sport treibt oder weniger raucht und weniger Alkohol trinkt, soll nur mehr die Hälfte des Selbstbehalts beim Arzt zahlen. Wer bereits jetzt gesund lebt, wird belohnt, wenn er oder sie diesen Status beibehält. Das Programm startet im Jänner. Dafür gibt es von Expertenseite durchaus Lob, wenngleich zum Teil noch weitere Maßnahmen gefordert werden.

"Koproduzent der eigenen Gesundheit"

Für Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer ist das neue Modell der SVA durchaus revolutionär. Erstmals werde der Präventionsgedanke für alle Systempartner "auf den Boden gebracht". Das könnte bei den Menschen zu einem Umdenken führen, so Pichlbauer. Der Patient werde dazu erzogen, "sich selbst als Koproduzent seiner Gesundheit zu begreifen." Derzeit werde hierzulande auf Gesundheitsvorsorge eher wenig Wert gelegt, kritisiert Pichlbauer: "Die Krankheit wird belohnt und bezahlt, auch die Patienten, wenn man etwa an die Invaliditätspension denkt. Jetzt dreht sich der Spieß um, kranksein wird 'bestraft' und Gesundheit belohnt."

Zudem sei unstrittig, dass sich Investitionen in die Vorsorge lohnen. In welchem Ausmaß, das könne er nicht genau abschätzen, so Pichlbauer, aber das sei auch gar nicht das Wichtigste. Das Wesentliche sei, dass das Gesundheitsbewusstsein erhöht werde.

"Baustein eines größeren Projekts"

Wer Gesundheitsziele erreicht, zahlt weniger. Ein Prinzip, dem auch Maria Hofmarcher vom Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung durchaus etwas abgewinnen kann. Sie spricht von "interessanten Ansätzen". Das sei aber nur ein Baustein eines größeren Projekts für Gesundheitsprävention. Finanzielle Zuckerl für gesundes Verhalten - das allein genüge nicht, so Hofmarcher. Dazu müsse es Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz, in den Schulen und Kindergärten geben. Nur so könnte wirklich die Gesundheit der gesamten Bevölkerung nachhaltig verbessert werden.