Ungarns Staatspräsident unter Plagiatsverdacht

Ungarns Staatspräsident Schmitt ist unter massiven Plagiatsverdacht geraten. Schmitt soll seine Doktorarbeit nahezu vollständig von einem bulgarischen Sportwissenschaftler abgeschrieben haben. Der Präsident, ein treuer Parteifreund von Ministerpräsident Orban, weist alle Vorwürfe zurück, doch die Faktenlage ist erdrückend.

Mittagsjournal, 12.1.2012

Original offenbar aus Bulgarien

Den Plagiatsvorwurf gegen Pal Schmitt hat die Wochenzeitung HVG in ihrer jüngsten Ausgabe erhoben. Nach HVG-Recherchen hat der ungarische Staatspräsident seine 1992 eingereichte Doktorarbeit zum Thema „Programmanalyse neuzeitlicher Olympischer Spiele“ von einer Studie des bulgarischen Sportwissenschaftlers Nikolaj Georgijew abgeschrieben. Georgijews Studie ist auf Französisch verfasst, 1987 veröffentlicht worden und befindet sich heute noch im Archiv des Olympischen Komitees in Lausanne.

HVG Reporter haben die beiden Arbeiten verglichen und dabei festgestellt, dass Schmitt 180 seiner insgesamt 250 Seiten abgeschrieben hat. Schmitt hat die Studie des Bulgaren einfach übersetzt und nahezu wortgleich abgetippt, ohne dabei die Quelle zu nennen, so, als wäre er selbst zu den Studien-Ergebnissen gekommen. Außerdem gibt es in der Arbeit weder Fußnoten noch Zitate.

Mit Rechtschreibfehlern gespickt

Peinlich ist, dass Schmitt in seiner Doktorarbeit auch noch Rechtschreibfehler gemacht hat. HVG erinnert daran, dass Schmitt seit je auf Kriegsfuß mit der Rechtschreibung steht, so beispielsweise hat er bei der Eintragung in ein Gästebuch, das ungarische Wort für Staatspräsident falsch geschrieben.

Die ungarische Präsidentschaftskanzlei weist trotz der erdrückenden Beweislage alle Vorwürfe entschieden zurück. Schmitts Doktorarbeit sei von Professoren penibel geprüft und mit der Bestnote „Summa cum laude“ bewertet worden, hieß es in einer knappen Stellungnahme. Ferner wird betont, dass Schmitt aus seiner Zeit als Funktionär des Internationalen Olympischen Komitees den bulgarischen Sportwissenschaftler gut gekannt, und sich mit ihm in Fachgesprächen oft ausgetauscht habe. Georgijew ist 2005 verstorben.

Enger Vertrauter von Premier Orban

Schmitt kann als treuer Diener seines Herren bezeichnet werden. Er ist absolut loyal zu Ministerpräsident Viktor Orban, der ihn mit seiner Zweidrittelmehrheit vor eineinhalb Jahren ins Amt des Staatspräsidenten gehievt hatte. Der Staatspräsident wird in Ungarn vom Parlament gewählt.

Schmitt war in den 70er Jahren Fechtolympiasieger, Vorturner der Nation und später ein hoher Sportfunktionär im kommunistischen Ungarn. Nach der Wende war er lange Jahre einer der Vizevorsitzenden in Orbans rechtskonservativer Bürgerunion Fidesz, sowie Botschafter seines Landes in Madrid und Bern.