Land-Art-Projekt soll weiter gehen

Antony Gormleys Eisenmänner

Die Landschaftsinstallation "Horizon Field" des britischen Künstlers Antony Gormley sorgt seit Wochen für heftige Kontroversen. Sie befindet sich im alpinen Hochgebirge Vorarlbergs und die einhundert lebensgroßen Eisen-Abgüsse von Gormleys Körper sollen bald abgebaut werden. Doch jetzt will ein soeben gegründeter Privatverein eine Permanentausstellung des Land-Art-Projekts ermöglichen.

Kulturjournal, 07.02.2012

Sie waren sich alle einig: das Land Vorarlberg, Kunsthaus-Bregenz-Direktor Yilmaz Dziewior, die Kulturhäuserbetriebsgesellschaft als Rechtsträger des KUB und die Behörden. Bis bei der jüngsten Generalversammlung Mitglieder des Freunde-Vereins des Kunsthaus Bregenz vor zwei Wochen für einen permanenten Verbleib der Eisenmänner argumentierten.

Die Wogen gingen hoch, denn noch nie hatte sich der Freunde-Verein gegen den Kunsthaus-Direktor gestellt. Doch die Abstimmung gab den Befürwortern einer Verlängerung zwar knapp, aber doch Recht. Sie erhielten die Mehrheit und haben nun Ende letzter Woche aus eigenen Reihen einen Privatverein gegründet, der mit dem Künstler und den Grundeigentümern ganz neu verhandeln will. Der frühere Kulturlandesart und jetzige Obmann-Stellvertreter des Vereins, Guntram Lins betont, dass von einem Vertragsbruch keine Rede sein könne.

Hundert oder keiner

In einer Mail hat Künstler Antony Gormley einer möglichen Verlängerung mit der Bedingung, dass alle hundert Eisenmänner stehen bleiben, zugestimmt. Kostenfaktor: rund 1,2 Millionen Euro. Diese kämen ausschließlich aus privaten Mitteln.

Die Eisenmänner bilden über ein Gebiet von 150 Quadratkilometern eine horizontale Linie auf 2.039 Metern Seehöhe - deshalb der Ausstellungstitel "Horizon Field". Vor der Genehmigung durch den Natur- und Landschaftsschutz mussten zunächst Verträge mit 34 Grundeigentümern abgeschlossen werden. Diese laufen nun aus, sprich: Der Verein muss alle 34 Grundeigentümer von einer Verlängerung überzeugen. Erst wenn dies gelungen sein sollte, kann der Antrag bei den Behörden, sprich beim Natur- und Landschaftsschutz eingereicht werden. Allerdings haben bereits einige Naturschutzorganisationen in einem offenen Brief ihre Bedenken angemeldet und sich für den Abbau der Figuren ausgesprochen.

Viel Überzeugungsarbeit notwendig

Der neue Verein wirbt bereits um Mitglieder, eine große Bewegung, die sich für den Verbleib der Eisenmänner engagiert, soll entstehen, sagt Vereinsobmann Otto Huber, der die Kontroversen in Leserbriefen, Foren und an Vorarlbergs Stammtischen begrüßt.

In den nächsten Monaten wird der Verein jedoch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. In einer Umfrage haben sich jedenfalls zwei Drittel der Bevölkerung für den Abbau ausgesprochen. Für einen solchen gibt es im Übrigen bereits einen Aufsichtsratsbeschluss. Dennoch hofft der Verein auf Unterstützung seitens der Politik.

Keine Unterstützung vom KUB

Das Kunsthaus Bregenz wird sich jedenfalls aus der brisanten Angelegenheit heraushalten. Direktor Yilmaz Dziewior hat bereits vor längerer Zeit betont, dass für ihn die erfolgreiche Ausstellung im April zu Ende geht. Er werde sich künftig weder personell noch finanziell beteiligen, auch um neuen Projekten Raum zu geben.

Für die Konzeption der "Horizon Field"-Ausstellung zeichnete noch maßgeblich sein Vorgänger Eckhardt Schneider verantwortlich. Böse Zungen behaupten nun, dass Yilmaz Dziewior deshalb kein großes Interesse an einer Weiterführung des Projekts hat. Der Verein selbst will von einem Affront gegen Dziewior jedenfalls nichts wissen.