Die sterblich Verliebten

Javier Marías, der große Erzähler Spaniens, ist zurück. Sein neuer Roman, der in Spanien gleich auf Platz 1 der Bestsellerliste stand, ist jetzt auch auf Deutsch erschienen.

Marías veröffentlichte seinen ersten Roman mit neunzehn Jahren. Seit seinem Bestseller "Mein Herz so weiß" gilt Javier Marías, 1951 als Sohn eines vom Franco-Regime verfolgten Philosophen geboren, als interessantester Erzähler Spaniens. Sein umfangreiches Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Nelly-Sachs-Preis sowie dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Seine Bücher wurden in über vierzig Sprachen übersetzt.

Kultur aktuell, 22.02.2012

Die 60 Kritiker und Mitarbeiter der Kulturbeilage des Tageszeitung "El Pais" hatten die Wahl. Die Frage nach dem besten Buch des Jahres 2011 beantworteten sie mehrheitlich mit "Los Enamoramientos". Ein Jahr nach dem Erscheinen liegt der neue Marias jetzt auch in deutscher Übertragung vor, Übersetzerin Susanne Lange wählte als Titel "Die sterblich Verliebten".

Und in diesem zweideutigen Titel wird auch deutlicher als im Original, dass sich Javier Marias als Anatom menschlicher Beziehungen keineswegs für die Idylle einer Zweisamkeit interessiert, sondern für deren Abgründe: "Mein neues Buch handelt von der Verliebtheit, wie sie im Titel angesprochen wird. Aber nicht nur davon: Es beschreibt auch die schlimmsten Dinge, zu denen ein Mensch fähig ist, gerade wenn er sich im Zustand des Verliebtseins befindet."

Obsession

Erstmals schreibt Javier Marias mit der Stimme einer Frau. Sie ist im Verlagswesen tätig, wohnt im Madrider Villenviertel El Viso und beginnt ein Paar, dem sie immer wieder beim Frühstück in ihrem Cafe begegnet, zu beobachten und zu verfolgen.

"Üblicherweise glaubt man doch, dass der Zustand der Verliebtheit etwas Wünschenswertes und Positives ist", sagt Marías. "In meinem Roman zeige ich, dass das manchmal auch stimmt, dass es aber auch Situationen gibt, in denen ein ehrlicher und großzügiger Mensch sich schäbig verhält, weil er verliebt ist."

Der deutsche Verlag hat der Werbekampagne ein Video beigegeben, in dem die Gedanken der Erzählerin zum filmgerechten Monolog aufbereitet sind: Aus der Ferne, fast schon obsessiv, wird eine scheinbar harmonische Beziehung seziert.

Staatspreisträger für Europäische Literatur

Der inzwischen 60-Jährige Autor und Sohn eines bekannten Philosophen erhielt im Vorjahr den österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Marías war lange Zeit als Übersetzer und Literaturprofessor tätig und schätzt Österreichs Autoren.

Der Autor der literarisch ebenso anspruchsvollen wie erfolgreichen Romane "Mein Herz so weiß" oder "Morgen in der Schlacht denk an mich" ist vom Schreiben erschöpft. Bis er sich an das nächste Buch machen wird, könnten Monate vergehen. In seiner Altstadtwohnung hält sich Marías mit Fingerübungen an seiner alten Schreibmaschine fit. In seinem letzten Artikel gibt sich der Junggeselle auf sportlichem Terrain kämpferisch: Die Leistungen Real Madrids, schreibt Marás erbost, hätten ihm die Leidenschaft für den Fußball geraubt.

Service

S. Fischer Verlag - Die sterblich Verliebten