TBA21 eröffnet im Augarten

Ein etwas größeres Geschenk zum zehnjährigen Bestehen hat sich die "Thyssen-Bornemisza Art Contemporary" (TBA21) gemacht: Am Dienstag, 29. Mai 2012, eröffnet die von Francesca Habsburg 2002 gegründete Privatstiftung ihre neuen Räumlichkeiten im Wiener Augarten.

Kulturjournal, 29.05.2012

In Wiens Kunstszene tut sich etwas: Nach der Eröffnung des 21er Hauses, wo das Belvedere seit vergangenem November österreichische Kunst ab 1945 zeigt, öffnet jetzt ein weiterer Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst seine Pforten. Keine neue Kunsthalle, sondern ein Labor für Kunst, Design und Kreativität soll der Kunstraum im Augarten werden, den die Kunststiftung Thyssen Bornemisza Art Contemporary, kurz TBA21, ab Mai bespielt.

Schon seit einigen Jahren hat Francesca Habsburg, Kunstmäzenin und Gründerin der TBA 21, nach neuen Ausstellungsräumen gesucht. Ursprüngliche wollte Habsburg Adolf Krischanitz' temporäre Kunsthalle, die zwei Jahre lang die riesige Baulücke am Berliner Schlossplatz füllte, in Wien wieder aufbauen. Im Schweizergarten, gleich neben dem 21er Haus, das ebenfalls von Architekten Adolf Krischanitz umgebaut worden ist, hätte ein neues Zentrum für zeitgenössische Kunst entstehen sollen. Ein Plan, den Francesca Habsburg aus Kostengründen bis auf weiteres verschoben hat. Dafür bezieht die TBA 21 jetzt das einstige Augarten Atelier, bisher die Zeitgenossen-Dependance des Belvedere.

In den lichtdurchfluteten Räumen des ehemaligen Augarten Ateliers zieht eine recht auffällige Konstruktion die Blicke auf sich. Ein weißer Lkw ist da zu sehen, ummantelt von einem modernistischen Bauelement, das sich auf den zweiten Blick als Teil einer elegant geschwungenen Dachkonstruktion entpuppt. Tatsächlich handelt es sich um einen Architekturklassiker, genauer um das Fragment einer Dachkonstruktion, die der französische Architekt und Designer Jean Prouvé in den 1950er Jahren für eine Schule entworfen hat. Dass diese Ikone moderner Architektur den Weg nach Wien gefunden hat, ist dem britischen Künstler und Turner-Preisträger Simon Starling zu verdanken.

Die Zerstörung der Aura

"Für mich hat es etwas Eigenartiges, wenn funktionales Design wie dieses Fragment eines Daches plötzlich in Sammlungen zeitgenössischer Kunst zu finden ist. Meine Arbeit hat fast so etwas wie eine ikonoklastische Stoßrichtung und begehrt sozusagen gegen die Mumifizierung und Musealisierung von Designklassikern auf", sagt Simon Starling.

Nicht zum ersten Mal widmet sich Simon Starling in einer künstlerischen Arbeit dem Erbe der Moderne - wobei sein Zugang oft spielerisch ist und von unverbildeter Experimentierfreude zeugt. So auch bei der aktuellen Arbeit "Road Test", das Kernstück der aktuellen Ausstellung im Augarten Atelier. Denn: Bevor Starlings "Road Test" im White Cube zum auratischen Kunstwerk wird, testete der Künstler sein abenteuerliches Vehikel im freien Gelände, konkret: auf einem Flugfeld in der Nähe von Bratisava.

"Wir haben ein Kunstobjekt gewissermaßen der Welt zurückgegeben und den Lkw samt Dachkonstruktion einem Geschwindigkeits- und Aerodynamiktest ausgesetzt. Wir sind die Flugbahn entlang gerast und haben auf bis zu 100 Stundenkilometer beschleunigt. Es war ein fantastischer Tag", sagt Simon Starling, der gemeinsam mit der dänischen Künstlergruppe Superflex die Eröffnungsausstellung im neuen Kunstraum der TBA21 im Augarten bestreitet.

Anders als in den alten Ausstellungsräumen in der Himmelpfortgasse, soll der Fokus im Augarten nicht auf Gruppenausstellungen, sondern auf der Präsentation von künstlerischen Einzelpositionen liegen. Zudem sollen Auftragsarbeiten, die die TBA 21 bisher oft auf internationalen Biennalen und Großausstellungen präsentiert hat, künftig im Wiener Augarten zu sehen sein.

Synergien öffentlicher und privater Institutionen

Für vorerst vier Jahre wird die TBA 21 die zum Belvedere gehörenden Räumlichkeiten im Augarten bespielen. Einer Verlängerung steht Hausherrin Agnes Husslein-Arco positiv gegenüber. Für TBA21-Gründerin Francesca Habsburg nicht zuletzt eine Chance zu zeigen, wie öffentliche und private Institutionen zum Vorteil aller Beteiligten zusammenarbeiten können. Die ersten Gespräche mit der für die Bundesmuseen zuständigen Ministerin Claudia Schmied sollen übrigens erst im November bei der Eröffnung des 21er Hauses stattgefunden haben:

"Ich habe bei der Eröffnung des 21er Hauses die Frage aufgeworfen, was mit dem Augarten Atelier passieren wird und habe natürlich sofort daran gedacht, dass die TBA21 im Augarten Ausstellungen machen könnte. Diese Lösung ist für mich eine Win-Win-Situation", sagt Kunstmäzenin Francesca Habsburg.

Neben der Eröffnungsausstellung startet am 1. Juni 2012 eine Performancereihe, bei der unter anderem die New Yorker Undergroundlegende Lydia Lunch, aber auch Größen der heimischen Elektronikszene wie Christian Fennesz auftreten werden. Und im Oktober 2012 konnte man mit Marina Abramovic einen ganz großen Namen gewinnen. Sie wird ihre aktuelle Arbeit "The Abramovic Method" im Augarten Atelier präsentieren.

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