Die Sterne sind unverzichtbar

Einen Sommer lang präsentieren die "Tonspuren" die USA und einige ihrer besten Erzähler/innen - von "A" wie Auster bis "W" wie Wallace.

Paul Auster

"Einstein hat dem Zufall misstraut und einmal gesagt: Gott würfelt nicht. Aber für mich stimmt das nicht. Mein Leben ist eine ununterbrochene Folge von Zufällen. Zum Beispiel gibt es da diese irritierende Tatsache, dass ich in meinem Leben vier Mal eine Reifenpanne hatte. Und aus irgendeinem Grund ereigneten sich diese vier Reifenpannen jedes Mal in Gegenwart derselben Person. Noch dazu war das jemand, mit dem ich selten Kontakt hatte, und die Pannen ereigneten sich in drei verschiedenen Bundesstaaten in einem Zeitraum von 15 Jahren. Was das bedeutet - ich weiß es nicht. Aber es ist eine Tatsache."

Raymond Carver

"Ich werde oft gefragt, wie ich zu meinen Geschichten komme. Es ist ganz einfach, manchmal schnappe ich einen Satz aus irgendeinem Gespräch auf oder ich beobachte etwas Ungewöhnliches - und schon habe ich eine Story. Als ich z. B. einmal im Flugzeug saß und wir gerade zur Landung ansetzten, nahm der Mann, der neben mir saß, plötzlich seinen Ehering vom Finger und steckte ihn in die Tasche - ich musste mir nur noch vorstellen, wie die Geschichte weiter ging."

Brett Easton Ellis

"Nach American Psycho wollten alle mit mir über Gewalt reden. Aber alles, was ich darüber weiß, habe ich recherchiert. Im Grunde interessiert mich Gewalt auch gar nicht. Aber ich habe nun mal beschlossen, über Serienmörder und Terroristen zu schreiben. Daher fühle ich mich diesen Charakteren gegenüber irgendwie verpflichtet …"

Jonathan Franzen

"Das dreckige Geheimnis von Literatur ist, dass man schon eine gewisse Zufriedenheit und Souveränität haben muss, um komplexe, moralisch labile Figuren zu goutieren. Wenn sich jemand selbst als Opfer fühlt, wird er zwielichtige Figuren nicht mögen. Man will lieber ein Buch über eine absolut gute Person lesen, die einen absolut schlechten Gegner bekämpft. Aber ernsthafte Literatur definiert sich geradezu darüber, dass es moralische Grauzonen gibt, wo die vorrangigen Frage lautet: Bin ich selbst ein anständiger Mensch, oder bin ich hier der Böse? Das war die überwältigende, lebensverändernde Lektion bei Franz Kafka für mich: Man muss sich selbst misstrauen."

Richard Ford

"Wer die Widersprüche im Leben der Menschen für etwas Ungewöhnliches hält, für den wird die Welt immer ein Rätsel bleiben. Man sagt etwas und tut etwas anderes, … man mag etwas und tut etwas, was man nicht mag, … man lebt gerne an einem bestimmten Ort und zieht woanders hin. Wer glaubt, dass das Leben der Menschen einen Sinn ergibt, ist verrückt. Man kann froh sein, wenn es einem gelingt, das Leben trotz all dieser offensichtlichen und rätselhaften Widersprüche zu einem halbwegs guten Ende bringen."

Norman Mailer

"Amerika ist ein Land, das eine enorme Betonung auf den Spaß legt. Und das verbindet sich mit der ungeheuren Menge an Werbung, die im Fernsehen für die Unternehmen gemacht wird. Unser Fernsehen ist durch und durch krank in dem Sinn, dass es vollständig durch die Werbung finanziert wird. Du schaust gerade die bewegendste Fernsehübertragung an, und du kannst dir sicher sein, dass du in dem Moment, wo du am meisten interessiert bist, von der Werbung unterbrochen wirst. Und diese Leute fragen sich dann, weshalb die Schüler und Studenten nicht mehr so erfolgreich sind wie einst. Alle sieben Minuten wird das Programm unterbrochen."

Joyce Carol Oates

"Ich fühle mich oft schuldig, dass ich ein relativ einfaches Leben hatte, im Vergleich zu meinen Eltern. Ich versuchte das später gutzumachen, indem ich sie unterstützte, aber noch heute fühle ich mich oft schuldig. Das ist typisch für Leute aus meiner Generation, die aus armen Verhältnissen stammen. (Meine Großeltern waren sogar sehr arm, sie waren Einwanderer.) Innerhalb von drei Generationen werden Leute zu Multimillionären, das ist in Amerika nichts Ungewöhnliches. Ich bin mit Schwarzen befreundet, deren Vorfahren noch Sklaven waren. Und die dritte Generation unterrichtet nun in Princeton, schreibt Bücher und verdient sehr viel Geld. Die fühlen sich alle irgendwie schuldig."

Richard Powers

"Es ist heute sehr schwierig geworden, größere Zusammenhänge auch nur im Ansatz zu verstehen. Auf allen wissenschaftlichen Gebieten gibt es Spezialisten, und unser Leben wird fast völlig von Experten dominiert. Was fehlt, ist der Überblick, die große Zusammenschau der verschiedenen Disziplinen. Das gelingt keinem mehr. Deshalb muss das heute der Schriftsteller machen. Der Schriftsteller ist der letzte Generalist."

David Foster Wallace

"Die häufigste Todesursache unter Teenagern ist Selbstmord. Drogensucht, … Sexbesessenheit, … die Spielsucht ist eine Epidemie, … die Scheidungsraten sind himmelhoch, … die Menschen in diesem Land fühlen sich verloren. Es gibt so viele Gründe, unsere Beziehung zur Welt noch einmal zu überdenken. Noch einmal zu überdenken, was wir für unser Vergnügen halten. Die Frage ist, wie viel muss geschehen, bis wir mit unserer Arbeit des Überdenkens anfangen."