Matterhorn

Vor zwei Jahren ist in den USA ein Roman über den Vietnam-Krieg erschienen, der mit Auszeichnungen übersät und zum absoluten Bestseller wurde. Der Autor, Karl Marlantes, hatte als junger Soldat in Vietnam gedient und 35 Jahre lang an seinen erschütternden Erinnerungen geschrieben. Jetzt erscheint das Buch auf Deutsch.

Und obwohl es keineswegs die Aufzeichnungen eines Pazifisten sind, die hier präsentiert werden, ist es ein Roman über die Erkenntnis, dass jeder Krieg die Hölle sein muss.

Morgenjournal, 22.8.2012

Im Vietnamkrieg benannten die amerikanischen Militärs Feuerunterstützungsbasen nach Schweizer Bergen - um das Matterhorn dreht sich der Roman von Karl Marlantes. "Matterhorn" ist auch der Titel des fast 700-Seiten-Werkes über Beschwerlichkeiten, Todesängste, Grauen, Aggressionen, aber auch Abenteuer im Krieg.

Karl Marlantes, der mehrfach für seine Tapferkeit ausgezeichnet worden war, kämpfte später mit einer posttraumatische Belastungsstörung. Um seine Erfahrungen zu verarbeiten, begann er bereits in den 1970er Jahren seinen Vietnam-Roman zu schreiben, gleichzeitig auch, um seine Sicht deutlich zu machen:

"Es gab so viele Menschen die in Bezug auf diesen Krieg auf der entgegengesetzten Seite des politischen Spektrums waren, die niemals die Marines als die Kinder gesehen haben, die sie waren - in meiner Kompanie war das Durchschnittsalter 18 Jahre und 10 Monate. Wir waren also sehr jung. Und jemand hat mich mal gefragt, warum ich 35 Jahre an dem Buch geschrieben und nicht einfach aufgegeben habe. Da gab es diesen einen Moment in meinem Leben - ich ging damals noch in meiner Uniform die Straße hinunter - in der Nähe des Weißen Hauses. Da stand eine Gruppe von Demonstranten und die schwangen nordvietnamesische und Vietkong-Fahnen und beschimpften mich, nannten mich Babymörder - und es war dieses Gefühl, missverstanden zu sein. Ich dachte: Ihr wisst doch gar nicht, wer ich bin!"

Rassismus erst ausgespart

Bereits seit den 1970er Jahren hatte Marlantes versucht, sein Buch zu veröffentlichen - mal zu früh, dann zu spät sei er mit dem Thema gewesen, wurde ihm gesagt, dann sollte er die Handlung etwa nach Afghanistan verlege. Heute ist der Autor froh, dass es so lange gedauert hat - immer wieder hat er die Geschichte umgeschrieben und ergänzt, sagt er:

"In meinem allerersten Manuskript hatte ich den Rassismus einfach unter den Teppich gekehrt - ich komme ja ursprünglich aus einer kleinen Stadt und im Umkreis von Hunderten Meilen hat es keine Schwarzen gegeben hat, also habe ich es ausgespart. Aber Anfang der 90er wurde mir bewusst, dass ich über diesen Krieg nicht ehrlich schreiben kann, ohne mich mit Rassismus auseinanderzusetzen - immerhin war dies ein enormer Teil der US-amerikanischen Kultur."

Eine "Parsifal-Geschichte"

Der Roman ist einzig und allein aus der Sicht des Überlebenskampfes der jungen US-Amerikaner geschrieben: "Die ehrliche Tatsache ist, dass diese Figuren nie darüber nachdenken würden, wie viele Menschen - ich denke, es waren zwei Millionen - durch Bomabardierungen oder durch Agent Orange oder ähnliche Dinge starben. Hätte ich das anders geschrieben, hätte es den Roman verfälscht."

Marlantes sagt, es handle sich bei "Matterhorn" um eine Parsifal-Geschichte; als literariche Vorbilder nennt er Tolstoi, aber auch Norman Mailer. Nicht zuletzt hat Marlantes während der jahrzehntelangen Entstehungsgeschichte seines Romans immer wieder die "Ilias" gelesen. Und hat sich denn die Leserin, der Leser - auch dank eines ausführliche Glossars - an die mit US-amerikanischen militärischen Fachausdrücken und Abkürzungen gespickte Sprache gewöhnt, geht der Kriegsroman "Matterhorn" durchaus unter die Haut.

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