Wehrpflicht: Vranitzky ändert seine Meinung

Einen Meinungsumschwung in der Wehrpflichtfrage hat Alt-Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) vollzogen. Im September hat er entgegen der Linie der Bundes-SPÖ noch vor einer Abschaffung der Wehrpflicht gewarnt. Nun tritt für ein Berufsheer ein. Er habe die Debatte beobachtet und finde das Konzept der Wehrpflicht-Gegner überzeugender, so Vranitzky im Ö1-Interview.

Mittagsjournal, 16.1.2013

Altkanzler Franz Vranitzky im Interview mit Eva Haslinger

Keine Änderung wäre "Gefahr"

Das Konzept von Berufsheer und freiwilligem Sozialdienst könne zwar Schwächen haben und es müsse noch Jahre daran gefeilt werden. Aber es seien immerhin Überlegungen, so Vranitzky. Die Befürworter der Wehrpflicht hätten keine Konzepte, das Beibehalten des Bestehenden allein sei eine "Gefahr", argumentiert Vranitky. Er verweist auf die Präsenzdiener, die ihre Zeit beim Bundesheer als sinnlos beschreiben. Daher könne man der "Gruppierung 'Beibehalten und sonst nichts'" nicht zustimmen. Vranitzky will also am Sonntag für die Abschaffung der Wehrpflicht stimmen, "wenn nicht noch etwas Sensationelles dazwischenkommt". Dass von Seiten der SPÖ auf ihn Druck ausgeübt worden sei, stellt Vranitzky in Abrede. Er sei vor 16 Jahren aus der aktiven Politik ausgeschieden und stehe im 76 Lebensjahr.

Koalition muss zusammenarbeiten

Sollte die Befragung pro Wehrpflicht ausgehen, könne Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) ohne weiteres im Amt bleiben, das Vertrauen des Bundeskanzlers habe er ja, so Vranitzky. Und trotz des intensiven Konflikts in der Koalition um das Bundesheer geht der Altkanzler davon aus, dass sich SPÖ und ÖVP weiterhin bis zum Nationalratstermin um Zusammenarbeit bemühen werden. "Je besser ihnen das gelingt, umso besser werden sie bei der Wahl abschneiden, das ist eine Binsenweisheit."

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