Jakob Huppmann, Countertenor

Der 28-jährige Countertenor begann seine musikalische Ausbildung als Sopransolist bei den Wiener Mozartsängerknaben. 2012 feierte er Erfolge als Giulio Cesare in Händels gleichnamiger Oper.

Jakob Huppmann

Geboren:
1984 in Wien

Studium: Master Sologesang, bei Prof. Uta Schwabe an der Konservatorium Privatuniversität

Mein größter Erfolg: wird mich hoffentlich mit einem Bein auf dem Boden der Tatsachen belassen.

(c) privat

Was ist Kunst?

Auf der Ebene der Seele mit Menschen in Verbindung zu treten, um ihnen Unsagbares zu sagen.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Zur Musik bin ich durch meine musikalische Familie gekommen. Meine vier Geschwister und ich wurden von unseren Eltern sehr früh musikalisch gefördert, und Musik war zu jeder Zeit ein fixer Bestandteil unserer Ausbildung. Sängerknaben, Instrumentalunterricht, Musikgymnasium, das alles hat sich in meinem Fall relativ vorgezeichnet ereignet.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Können - Kunst ist im Falle von Musik ohne ein gewisses Maß an Fertigkeiten nicht denkbar. Ein Vortrag muss sowohl für den Künstler selbst, als auch für das Publikum erst einmal entspannend, also von Sicherheit getragen sein, damit ein seelischer Austausch stattfinden kann.

Müssen – Ja, es ist wohl so, dass Kunst im Laufe des Heranwachsens zu einer Daseinsform werden kann, die ein Verlangen nach Ausdruck, Austausch und Wahrheit mit sich bringt.

Wollen – Genauso wie das Können und das Müssen – all das muss man bis zum Moment des Auftritts steigern, um es dann auf der Bühne loszulassen. Stimmen die Voraussetzungen dafür (ist man einigermaßen gesund, ausreichend vorbereitet und im richtigen Seelenzustand), so dass man im entscheidenden Moment alles loslassen kann, kann sich Kunst ereignen. Manchmal klappt das sogar.

Wo würden Sie am liebsten auftreten?

Die schönsten Momente erlebe ich meistens da, wo es wenig kulturelles Angebot gibt und die Menschen noch hungrig sind. Da ist es leichter, sie zu erreichen, mit ihnen zu teilen und gemeinsam wertvolle Erfahrungen zu machen. Praktischerweise sind das oft auch schöne Ecken der Welt – Die Insel Elba, Thoronet in Südfrankreich, Alden Biesen in Belgien, Sonntagberg in Österreich, Romainmotier in der Schweiz. An solche Orte zieht es mich.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Mit wem ich gerne zusammen arbeiten möchte, weiß ich eigentlich immer erst nach dem ersten Versuch. Eine gewisse Sympathie ist für mich die Grundvoraussetzung. Sonst ist es nur Arbeit. Und Arbeit verträgt sich mit meiner Lebensphilosophie nicht.

Wie viel Markt verträgt die Kunst?

Dass wir heute praktisch allen Dingen ein Preisschild umhängen, ist einer der Hauptgründe für die Sinnkrise, die wir als Gesellschaft durchleben. Manche Dinge verlieren nämlich an Wert, wenn man sie mit Geld kaufen kann. Manche Dinge kann man auch dadurch zerstören, wenn man versucht, sie zu kaufen – Freundschaft, Liebe, Anerkennung sind gute Beispiele.

Um heute als Sänger überhaupt auf die Beine zu kommen, muss man sich selbst vermarkten, man muss sich dem Wettbewerb mit all seiner Härte aussetzen, um dann je nach Größe des Erfolgs als eine mehr oder weniger wertvolle Ware gehandelt zu werden. Dabei bleiben viele Menschen auf der Strecke, die oft viel zu geben hätten, während von den wenigen, die es schaffen wiederum viele seelisch auf der Strecke bleiben. Nur wenige Sänger schaffen heute noch den Spagat, in diesem Hochleistungsberuf mit all seinen Anforderungen eine dauerhafte Existenz zu etablieren und dabei seelisch gesund zu bleiben.

Und wie viel Kunst verträgt der Markt?

DER Markt gewinnt seine Macht über unser aller Leben wie eine Religion dadurch, dass viele Menschen an seine Gesetze, Regeln und Ideale glauben und sie befolgen. Effizienz, Wachstum oder Kalkulierbarkeit sind für das kapitalistische System unseres Marktes überlebensentscheidend. Kunst kann sich naturgemäß diesen Gesetzen nicht beugen, denn sie entsteht nur vollkommen frei. Man kann ihre Entstehung nicht durch Geld sicherstellen, vorhersagen, effizienter machen, oder beliebig reproduzieren. Versucht man es doch, verschwindet die Kunst, und übrig bleibt Artistik. Kunst fördert Denkweisen und Werte, die denen des Marktes entgegenstehen. Ich denke also, dass der Markt als System nicht viel Kunst verträgt, aber die Menschen brauchen sie. Auch wenn vielen das heute nicht bewusst ist.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Für ein One-way Ticket nach Elba.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ich möchte die Dinge auf mich zukommen lassen, ohne allzu viel zu erwarten. Es kommt ja doch immer alles ganz anders.

Haben Sie einen Plan B?

Schon, aber nicht so konkret. Ich lasse die Dinge auf mich zukommen.

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Gestern. Wir haben den Geburtstag einer guten Freundin gefeiert, und den Kellner unanständig lange am Nachhausegehen gehindert.

Wollen Sie die Welt verändern?

Ja, und ich habe beschlossen, mit den angedachten Veränderungen bei mir selbst zu beginnen. Wenn daneben noch Zeit bleiben, und die Welt mich mal um Rat fragen sollte – meine Telefonnummer findet man im Internet.