Kroatien für Investoren zu wenig attraktiv

Am 1. Juli tritt Kroatien als 28. Mitglied der EU bei. Größter Investor ist Österreich. Präsent sind etwa 750 heimische Firmen, mehr als sechs Milliarden Euro wurden investiert. Doch mit dem Wirtschaftsklima in Kroatien sind viele Firmen unzufrieden; das zeigt eine Befragung, die die österreichische Außenhandelsstelle der Wirtschaftskammer in Kroatien durchgeführt hat. Sie wirft kein gutes Licht auf die EU-Reife Kroatiens.

Abendjournal, 18.6.2013

Negative Beurteilung

Knapp 100 österreichische Investoren nahmen an der Umfrage in Kroatien teil; die Hälfte davon waren Firmen mit bis zu 20 Mitarbeitern, die andere Hälfte entfiel auf mittlere und große Unternehmen. Fast alle Befragten bewerteten die Wirtschaftslage negativ, nur wenige rechnen mit einer Verbesserung im heurigen Jahr. Am unzufriedensten sind die Firmen mit der Zahlungsmoral, der öffentlichen Verwaltung, dem Steuersystem und dem Justizwesen; so dauern Verfahren noch immer viele Jahre, und bei Arbeitsgerichtsprozessen wird in erster Instanz sehr oft auch in Fällen von Diebstahl und Trunkenheit zugunsten des Arbeitnehmers entscheiden.

In Zagreb traf heute Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl mit Firmen aus Österreicher zusammen. Trotz aller Kritik sieht er Chancen auf Besserung; Christoph Leitl: „Der EU-Beitritt eröffnet neue Perspektiven. Da wird viel EU-Recht übernommen werden, da wird es auch darauf ankommen, zusätzliche Investoren ins Land zu bekommen. Sechs Milliarden Euro haben österreichische Unternehmen hier investiert; auch wenn sie momentan nicht sehr zufrieden sind. Ich glaube, dass durch den EU-Beitritt die Lage deutlich besser wird, zwei Drittel der Unternehmen erwarten das, und dann kann man sagen, Gut, wir waren rechtzeitig da und wir haben rechtzeitig in die Zukunft investiert."

Vereinbart hat Leitl mit der kroatischen Wirtschaftskammer ein Hilfsprogramm, damit Gelder aus EU-Fonds besser abgerufen werden können, die Kroatien nun zur Verfügung stehen werden. Vor dem Beitritt konnte nur ein Drittel der Mittel abgerufen werden. Nun werden Gelder für Infrastruktur, Energie und Umwelt vermehrt zur Verfügung stehen. Davon könnten auch österreichische Investoren profitieren, wenn Kroatien die Gelder abrufen kann, betonte Leitl.

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