Lesung von Hamad Abdel-Samad

Scharfe Kritik am Islamismus und der in Ägypten regierenden Islambrüder übt seit Jahren der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad. Vor zwei Jahren hat der Regimekritiker mit dem Buch "Der Untergang der islamischen Welt" wütende Proteste in Kairo provoziert. Todesdrohungen und die Verhängung der Fatwa hielten Hamed Abdel-Samad nicht von einer Vortragsreise in Deutschland ab.

Morgenjournal, 2.7.2013

In München sprach Abdel Samad vor ausverkauftem Publikum in einem christlichen Gemeinderaum, während er diskret von Personenschutz umgeben war.
Unter anderem betonte er das Thema "religiösen Faschismus". Es sei ihm nie darum gegangen, den Menschen ihre Religion zu nehmen. "Mein Ziel ist und war niemals, die Religion zu diffamieren, sondern die diktatorischen und faschistischen Elemente, die sich verankert haben, zu thematisieren."
Zudem glaube er nicht, dass es eine Militärdiktatur in Ägypten geben werde. Das Militär, das schon auf Abstand zu Präsident Mohammed Mursi gegangen sei, wolle mit dem Schritt eher weiteres Chaos abwenden.

Die ägyptische Armee hatte verlangt, dass binnen 48 Stunden wieder Ruhe im Land einkehren müsse. In Kairo rief die Ankündigung am Tahrir-Platz, wo Zehntausende gegen Mursi protestierten, Jubel hervor. Rund 14 Millionen Menschen hätten am Sonntag im ganzen Land demonstriert, sagte Abdel-Samad. "Das hat es in der Geschichte von Ägypten nie gegeben." Er blicke deshalb optimistisch in die Zukunft. "Ich sehe, dass viele junge Frauen und Männer zum zweiten Mal in zwei Jahren millionenfach auf die Straße gehen, um für Demokratie zu demonstrieren. Das macht mir Hoffnung."

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