Architekturwettbewerb Wiener Eislaufverein

Das Areal rund um den Wiener Eislaufverein, zwischen Hotel Intercontinental und Konzerthaus, soll umgestaltet und neu bebaut werden. Nach zweijährigen Vorarbeiten und der Durchführung eines internationalen Wettbewerbs für die Architektur und Freiraumgestaltung, wurde heute das Siegerprojekt der Öffentlichkeit vorgestellt: ein Entwurf des brasilianischen Architekten Isay Weinfeld.

Diskussionen könnte es noch hinsichtlich der Höhe des Neubaus geben – ein Wohnturm soll immerhin 70 Meter hoch sein, und das in der Nähe des UNESCO-Weltkulturerbes der historischen Altstadt.

Kulturjournal, 27.02.2014

Das Hotel Intercontinental war zu Zeit seiner Errichtung, vor genau fünfzig Jahren, das größte Hotel in Wien. Entworfen von der amerikanischen Architekturfirma Holabird & Root, gemeinsam mit dem österreichischen Architekten Carl Appel, ist es ein Beispiel für die internationale Moderne der Nachkriegszeit. Das Interieur ist längst nicht mehr das originale – und mittlerweile entsprechen die Funktionen auch nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die große Frage bei der Neugestaltung des Areals lautete: soll man das ausgediente Hotel abreißen oder es stehen lassen und umbauen?

"Städtebaulich ist das eine schwierige Frage", meint der Architekt Markus Allmann, Vorsitzender der Wettbewerbs-Jury. Mehr als die Hälfte der eingereichten Beiträge plädierten für einen Abriss des bestehenden Bauwerks – die Jury entschied sich jedoch für einen Beitrag, der das Hotel stehen lässt.

"Das Hotel wird im Grunde auf sein Skelett reduziert, es bleibt nur Tragwerk übrig", so Allmann. Es solle "mehr Offenheit rein". Das Innenleben des Hotels wird modernisiert. "Das ist mit dem ersten Preis eigentlich sehr gut gelungen."

72 Meter hoher Wohnturm

Der Entwurf ist vom 1952 geborenen in Sao Paulo lebenden Architekten Isay Weinfeld, der in Brasilien viele Wohnbauten, Geschäfte und Hotels gebaut hat. Sein Plan für das Areal Intercontinental-Eislaufverein-Konzerthaus entspricht laut Jury den wichtigsten Anforderungen, die in einem aufwändigen Prozess mit Beteiligung von Bürgern und Expertinnen definiert wurden. Dazu gehört der öffentliche Mehrwert, die Öffnung des Areals nach außen, die Ganzjahresbespielung der unbebauten Fläche, der Erhalt und die Verbesserung der Eislaufflächen und die Durchlässigkeit zwischen Lothringerstraße und Heumarkt.

Gegen den Heumarkt wird das Areal mit einem viergeschoßigen, geschlossenen Bauwerk abgegrenzt – zur Lothringerstraße hingegen wird es geöffnet und die Fahrspuren werden zum Ring hin verschoben. Und die augenfälligste Veränderung im Stadtbild: Dem umgebauten Hotel Intercontinental setzt Isay Weinfeld auf der Seite des Eislaufvereins einen Wohnturm vor, dessen Fassade mit jener des Hotels korrespondieren soll. Der Wohnturm soll 72 Meter hoch werden – was in der Jurysitzung intensiv diskutiert wurde, sagt deren Vorsitzender Markus Allmann. "Ich glaube nicht, dass das dem Stephansturm weh tun wird", meint Allmann. Mit Widerstand von Hochhaus-Gegnern und Stadtbildschützern ist zu rechnen.

Übrigens hätte auch schon das alte Hotel Intercontinental eigentlich höher sein sollen, die Höhe wurde jedoch von geplanten 50 auf jetzige 39 Meter reduziert. Eine Folge davon ist die geringe Raumhöhe der Hotelzimmer.

Stellungnahme des Eislaufvereins

Eine erste Stellungnahme zum Siegerprojekt gibt es vom Wiener Eislaufverein, der die Reduzierung der Freiluft-Fläche zu befürchten hatte: Der Entwurf zeige "keine offensichtlichen Abweichungen von den zwischen dem Investor und dem Wiener Eislaufverein abgeschlossenen Vereinbarungen", es sei dies jedoch erst der Anfang der Projektentwicklungsphase.

Plangemäß sollen die Arbeiten zum Um- und Neubau im Frühjahr 2016 beginnen – nach Ende der Eislaufsaison, wie betont wird.

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