Dritter Teil der "Heimat"-Trilogie
"Beste Chance" heißt der dritte und vorläufig letzte Teil der Film-Trilogie von Regisseur Marcus H. Rosenmüller über eine Gruppe von Freunden im bayerischen Tandern. Rosenmüller kennt man spätestens seit seinem Kino-Erfolg "Wer früher stirbt, ist länger tot".
8. April 2017, 21:58
2007 brachte Rosenmüller den ersten Teil seiner sogenannten Heimat-Trilogie "Beste Zeit" in die Kinos. Ein Jahr darauf folgte "Beste Gegend". Nun, nach sechs Jahren Pause, wirft Rosenmüller wieder einen Blick ins Leben der Freunde, die gerade an der Kippe zum Erwachsenwerden stehen.
Nach 5 Jahren wieder zurück in der Heimat: Jo (Rosalie Thomass) trifft ihre Freunde wieder.
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Kulturjournal, 25.06.2014
Ein Anruf wird zum Startsignal für die turbulente Suche nach Halt und Freundschaft in Marcus H. Rosenmüllers "Beste Chance". Der Film endet dort, wo das gutbürgerliche Leben eigentlich so richtig beginnen soll: am Standesamt. Besser gesagt, auf der Wiese davor, wo sich Rocky und Annie ihre gemeinsame Zukunft erstreiten. Davor werden die fünf Freunde im Zentrum von "Beste Chance" heftig durchgebeutelt vom Wellengang der Emotionen. Ganz so rund läuft es nämlich nicht mit dem Hinausschwimmen ins Erwachsenwerden.
vom Bauernhof ins Ashram
Rosenmüllers Personal kennt man aus den Vorgänger-Filmen "Beste Zeit" und "Beste Gegend". In den ersten beiden Teilen waren Kathi und Jo innigste Freundinnen. Fünf Jahre nach der gemeinsamen Matura ist die Innigkeit verpufft. Kathi studiert und quält sich durch ihr Liebesleben, Jo ist aus der bayerischen Heimat geflüchtet ist und sucht ihr Glück in Indien. Auch Rocky, Toni und Mike gehen ihre eigenen Wege. Als Kathi aufbricht, um Jo in Indien zu finden, wird die Suche nach der Freundin zum Wegweiser für Kathis eigenes Leben. Rocky und Toni haben für solche Abenteuer keine Zeit mehr.
"Beste Chance" handelt von Freundschaften, die vor kurzem noch fürs Leben waren, aber im Strudel des Alltags untergegangen sind. Es ist ein Film über Menschen am Sprung in ein neues Leben. Rosenmüller jongliert mit den Themen des Erwachsen-werdens, lässt den Übermut der Jugend abkühlen und das herbstliche Bayern auf das exotische, hitzige Indien treffen. Die Freunde wissen nun, dass sie ihren Weg noch nicht gefunden haben. Kathi führt ihr Weg von der Idylle Bayerns ins dreckige Indien, aus einer Welt von Traktoren, Bauernhöfen und Wiesen mitten hinein in hochgebirgige Ashrams und verelendete Städte.
Einfühlsame Studie
Marcus H. Rosenmüller ist einer der führenden Vertreter einer modernen bayerischen Identitätskultur, ein Alltagsheiliger weiß-blauer Lebenskunst. In der Vitrine neben ihm Fußballhelden wie Sepp Maier und Thomas Müller und Ikonen des Humors wie Gerhard Polt. Keine zehn Kilometer von Polt entfernt ist Rosenmüller aufgewachsen. In Hausham. Daher auch das H. im Namen. Der Geist einer Jugend am Land durchströmt auch diesen Film.
Hausham liegt etwa eineinhalb Stunden von Tandern entfernt, wo "Beste Chance" spielt. Dass Indien einmal mehr zum spirituellen Sehnsuchtsort wird, liegt auch an Rosenmüllers eigener Biografie. Als Filmstudent drehte er seinen Abschlussfilm "Hotel Deepa" im indischen Pune. Auch dass es bei Kathis Suche gar nicht so sehr um Jo geht, sondern um ihre eigene Reise, klingt nach Klischee, wird unter Rosenmüllers Regie aber zu einer einfühlsamen Studie.
"Beste Chance" ist ein Porträt moderner 20-somethings auf Bayerisch. Universale Themen verpackt in bayerischen Dialekt, ein stimmiges Roadmovie ebenso wie ein sensibel beobachteter Coming-of-Age-Film.
