Benjamin Hirte in der Galerie Layr
Als bildender Künstler der jüngeren Generation hat der 34-jährige Benjamin Hirte in den letzten Jahren aufhorchen lassen. Bis 27. September sind Arbeiten des gebürtigen Deutschen in der Galerie Layr in Wien zu sehen.
8. April 2017, 21:58
"Antics", 2013, Bowlingkugel
(c) BENJAMIN HIRTE, GALERIE EMANUEL LAYR
In seinen Skulpturen kombiniert Hirte eine puristische Formensprache mit gestalterischem Einfallsreichtum und Gespür für räumliche Zusammenhänge. Immer wieder geht der Künstler von innenarchitektonischen Grundformen wie dem Stuhl, dem Tisch, oder dem Paravent aus. Der Bezug zur angewandten Kunst zieht sich ohnehin durch seine Arbeiten.
Kulturjournal, 04.09.2014
Studiert hat Benjamin Hirte bei Heimo Zobernig an der Akademie der Bildenden Künste. 2013 erhielt Hirte das begehrte MAK-Schindler-Stipendium in Los Angeles und verbrachte ein halbes Jahr an der US-Westküste.
Eine Aluminiumindustrieplatte halbiert und neu ineinander geschlichtet, drei Faserzementplatten mit rätselhaftem Muster - irgendwie erinnern sie an zu groß geratene Rasierklingen, oder aber den rituellen Gegenstand einer so genannten außereuropäischen Kultur. Wer weiß das schon. Eigentlich hat sich Benjamin Hirte an der Form von Produktanhängern orientiert, also Etiketten die zur Kennzeichnung von handelsüblichen Produkten dienen. Ein unsichtbares Attribut der modernen Warenkultur aufgeblasen und in den Fokus gerückt. Benjamin Hirte nimmt das scheinbar Ephemer und Unsichtbare in den Blick, ordnet es neu, reinszeniert es. Seine Formensprache ist auf das Minimum reduziert. Das verbindet ihn mit Heimo Zobernig, bei dem er studiert hat.
Requisiten des Alltags
In einem Interview erklärte Benjamin Hirte einmal, die Reduktion sei unter anderem eine Antwort auf die traditionelle Opulenz des Barocken Wien, dessen Uferlosigkeit, sich noch in den großen Schmerzensgesten der Wiener Aktionisten wiederfindet, in Hermann Nitschs Orgien-Mysterien-Theater. Betritt mit Hirte also eine neue Künstlergeneration das Parkett, die sich im Gegensatz dazu der protestantischen Kargheit verschreibt?
Der große generationenübergreifende Vergleich ist zwangläufig holzschnittartig, also falsch. Trotzdem: Das katholische Welttheater lässt Benjamin Hirte hinter sich und widmet sich stattdessen der kleinen Bühne, nicht zuletzt der Kulisse des Wohnens. Immer wieder taucht der Bezug zu Möbelstücken, zu Tischen und Stühlen, in Hirtes Skulpturen auf. Das verbindet ihn mit großen österreichischen Künstlern wie Franz West.
"Ein Stuhl verhält sich ja immer irgendwie zum Raum. Franz West hat diesbezüglich verschiedene Möglichkeiten durchgespielt. Der Stuhl, der neben dem Sockel steht, erzeugt den Eindruck eines Wartezimmers. Der Stuhl, der vor dem Sockel steht, deutet auf das Sinnieren über die Skulptur hin. Je nachdem wie man den Stuhl hinstellt, wird eine andere Bedeutung generiert", sagt Benjamin Hirte.
Bekannt ist eine Sesselskulptur Benjamin Hirtes, die starke Referenzen zu Arne Jacobsons Designklassiker aufweist, eigentlich aber aus zwei Stühlen zusammengezimmert ist. Die Stuhllehne wurde kurzerhand abgesägt. So wird der Ausstellungsraum zur Bühne, auf der man verfremdete Requisiten des Alltags wiederfindet. Benjamin Hirte beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit unserer alltäglichen Umgebung, funktioniert alltägliche Objekte um, setzt sie in einen anderen Maßstab und veränderten so unsere Perspektive darauf.
