Das Kapital des Staates

Mariana Mazzucato führt den Nachweis, dass Innovationen kaum von privaten Unternehmen ausgehen, und zweitens private Kapitalgeber immer erst dann auf Innovationen reagieren, wenn bereits eine staatlich finanzierte Grundlagenforschung gegeben ist.

Wenn heute anlässlich des Weltwirtschaftsgipfels in Davos davon die Rede ist, dass ein Prozent der Weltbevölkerung über 50 Prozent der Vermögenswerte verfügen, so ist das eine Folge der Umverteilung gesellschaftlichen Kapitals in private Hände. Es ist die Folge einer Politik, die ab den achtziger Jahren darauf ausgerichtet war, dass ökonomische Risiken von der Allgemeinheit beziehungsweise vom Staat getragen werden, während Gewinne privatisiert werden. Genau da setzt Mariana Mazzucato an, deren Botschaft einfach und einleuchtend ist: Dass es zu dieser Umverteilung gekommen ist, hat nämlich überhaupt nichts mit unternehmerischem Erfolg zu tun, sondern in erster Linie mit Lobbying.

Mariana Mazzucato bezieht sich auf eine große und für den Leser mitunter allzu detailliert zitierte Anzahl von Studien. Entscheidend dabei ist, dass sie den Nachweis erbringt, dass erstens Innovationen kaum von privaten Unternehmen ausgehen, und zweitens private Kapitalgeber immer erst dann auf Innovationen reagieren, wenn bereits eine staatlich finanzierte Grundlagenforschung gegeben ist. Ob es sich um Entwicklungen im Biotech- und Pharmabereich, ums Internet oder um Energiekonzepte handelt: immer waren und sind es staatliche oder staatlich unterstützte Institutionen, die Entwicklungen in Gang setzen.

Wie auch immer, Mariana Mazzucato lüftet kein Geheimnis, sondern sie deutet auf die Fakten, die besagen, dass weniger Staat keinesfalls mehr privat heißt, sondern dass der moderne Entrepreneur, egal, ob Steve Jobs oder die Google-Gründer Page und Brin, ohne staatlich finanzierte Forschung keine Geschäftsgrundlage hätte. Denn, um bei den Genannten zu bleiben, sowohl das Internet als auch der Algorithmus sind aus staatlich finanzierter Forschung hervorgegangen.

Service

Mariana Mazzucato, "Das Kapital des Staates - Eine andere Geschichte von Innovation und Wachstum", aus dem Englischen von Ursel Schäfer, Kunstmann Verlag