Lawinengefahrsschild

APA/BARBARA GINDL

Punkt eins

Lawinen: Das ewig unterschätzte Risiko

Der Kampf gegen den Tod im Schnee. Gäste: Gerhard Kremser, Bezirksleiter Pongau, Bergrettung Salzburg & Dr. Arnold Studeregger Renner, Lawinensachverständiger, GeoSphere Austria, Fachlicher Leiter des Lawinenwarndienstes Steiermark. Moderation: Xaver Forthuber. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Die Zahl der Lawinentoten in Österreich liegt in dieser Saison schon bei 29 und damit weit über dem langjährigen Durchschnitt. Bereits die massiven Schneefälle Ende Februar hatten in ganz Österreich für erhöhte Lawinengefahr gesorgt. In Tirol und Vorarlberg wurden über das Bevölkerungs-Warnsystem AT-Alert landesweite Warnungen verschickt. Nicht alle hielten sich daran - mit tragischen Folgen.

In Tirol und Vorarlberg, aber auch in Salzburg und in der Steiermark waren Tote zu beklagen. Nach einem Lawinenabgang im Pongau konnte ein Einheimischer mithilfe von Handyortung gefunden, aber nur noch tot geborgen werden. Im Einsatz standen neben 23 Bergretter:innen auch Hundeführer, Polizei und Feuerwehr. In Zell am See konnte nach einer aufwendigen Suchaktion Entwarnung gegeben werden - ein Skifahrer dürfte das Schneebrett losgetreten, aber der Bergrettung nicht gemeldet haben, dass niemand mitgerissen wurde. Ausgelöst wurden beide Lawinen von so genannten Variantenfahrern abseits der Piste - ein Verhalten, das nun schwer in der Kritik steht. "Wenn man in dieser Situation in den freien Skiraum fährt, fehlt einem das Gespür, die Ausbildung und die Erfahrung", sagte der Landesleiter der Tiroler Bergrettung.

Die Situation bleibt auch in den März hinein angespannt. Vom Tiroler Lawinenwarndienst hieß es, dass Wintersportler vereinzelt auch große Lawinen auslösen könnten. Als Gefahrenstellen wurden vor allem Steilhänge genannt, ebenso Übergänge von wenig zu viel Schnee, etwa an Einfahrten in Rinnen und Mulden. Allen Warnungen zum Trotz kamen in den vergangenen Wochen drei weitere Personen unter Lawinen ums Leben - bei der Suche und anschließenden Bergung waren Polizeihubschrauber bei teils widrigen Wetterbedingungen im Einsatz. In einem Fall war es zu gefährlich, Bergretter und Alpinpolizisten im Suchgebiet abzusetzen.

Alpine Rettungseinsätze werden in der Regel verrechnet - in Tirol gibt es mittlerweile wieder eine Debatte darum, ob die Versicherungen in Fällen von grober Fahrlässigkeit die Kosten zurückfordern sollen. Sicherheitslandesrätin Astrid Mair und Landeshauptmann Anton Mattle orteten bei den Wintersportler:innen eine "Vollkaskomentalität" und forderten "Eigenverantwortung" ein. Das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) sowie die Österreichischen Berg- und Skiführer:innen und die Naturfreunde Österreich können diesen Vorschlägen allerdings nichts abgewinnen: Sicherheit am Berg entstehe durch Wissen und Erfahrung, eine "Bestrafung von Wintersportlern" sei nicht der richtige Weg.

Gäste bei Xaver Forthuber sind Arnold Studeregger Renner, gerichtlich beeideter Sachverständiger und bei GeoSphere Austria für Lawinenwarnungen zuständig, sowie Gerhard Kremser, Bezirksleiter der Pongauer Bergrettung.

Wir sprechen über die Gemengelage, die zu der diesjährigen Situation geführt hat, über Lawinengefahr und den Umgang damit allgemein, über das Verhalten am Berg und darüber, was nach einem Lawinenabgang passiert. Reden Sie mit: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at

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  • Xaver Forthuber